Wirtschaft : „Kerry ist besser für die Deutschen“

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Herr Posen, John F. Kerry will im Fall eines Wahlsieges den Haushalt sanieren und die Wirtschaft stärken. Schafft er das?

Sollte er die Wahl gewinnen, wird er kaum umhin kommen, die meisten seiner Politikvorhaben gleich wieder auf Eis zu legen und die Ausgaben drastisch einzuschränken, um den Haushalt zu sanieren. So wird er zum Beispiel versuchen, die Lasten im Irak und anderswo stärker als bisher auf andere Länder zu verteilen.

Und was wäre von einer zweiten Amtszeit Bushs zu erwarten?

Noch mehr von dem, was er bisher gemacht hat. Es gibt Leute, die sagen: Er wird früher oder später zur Vernunft kommen und zum Beispiel seine Finanzpolitik umkehren. So hat es sein Vater gemacht, und auch Ronald Reagan hat später die Steuern erhöht, um frühere Steuererleichterungen auszugleichen.

Hat die Wahl einen Einfluss auf die amerikanischen Investitionen in Deutschland?

Investitionen in Deutschland werden zunehmen. Zum einen lassen Investoren angesichts des schwachen Dollars ihr Geld lieber in Deutschland, als es in US-Dollar zu haben. Zum anderen hat die Schröder-Regierung einige wesentliche Reformen geschafft. Der Standort Deutschland ist attraktiver als er noch vor eineinhalb Jahren war.

Unter dem Strich: Welches Wahlergebnis wäre für Deutschland das Bessere?

Ganz einfach. Wenn Kerry gewinnt, wird er mittelfristig einen stärkeren Dollar und geringere Zinsen haben. Das wird direkt die deutschen Zinsen beeinflussen. Und niedrigere Zinsen bedeuten im Durchschnitt höheres Wachstum. Das ist besser für die Weltwirtschaft, vor allem für die ärmeren Länder, in die Deutschland exportiert.

Das Gespräch führte Lars von Törne.

Adam Posen ist Ökonom am Institute for International Economics in Washington, einem Think-Tank mit den Spezialgebieten Weltwirtschaft und transatlantische Beziehungen.

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