Kette für Fitness-Zubehör : Sport-Tiedje macht sich fit für die Zukunft

Sport-Tiedje ist Europas größte Fitnessmarkt-Kette mit Filialen an Hamburgs Mönckebergstraße und am Ku'Damm inm Berlin. Die Firma wächst weiter - auch durch Übernahmen im Ausland.

Jürgen Hoffmann

Wer in den Laden am Kurfürstendamm 135 kommt, hat das Gefühl, ein großes Fitnessstudio zu betreten. Crosstrainer und Hantelbänke stehen dort aufgereiht neben Laufbändern, Rudergeräten und Ergometern. Es handelt sich jedoch um eine Filiale von Sport-Tiedje: Europas größter Fitnessmarkt-Kette. Erst vor wenigen Wochen hat die Firma den niederländischen Konkurrenten OZI Sport BV übernommen. Seine Geräte verkauft Sport-Tiedje bereits in 22 Läden in Deutschland und fünf Nachbarländern, der Onlineshop läuft in elf Sprachen.

Sportliches Geschäft. Mit Fitnessgeräten setzt die Kette Sport-Tietje über 40 Millionen Euro im Jahr um.
Sportliches Geschäft. Mit Fitnessgeräten setzt die Kette Sport-Tietje über 40 Millionen Euro im Jahr um.Foto: Imago

Chef Christian Grau ist überzeugt, sich auch langfristig am Markt behaupten zu können. Versandhäuser und Discounter verkauften Fitnessgeräte schließlich ohne Fachberatung, sportwissenschaftliche Analyse und maßgeschneiderten Trainingsplan. „Der Kunde muss einen Erfolg sehen und mit dem Gerät zufrieden sein“, sagt Grau. Denn nur dann werde er den Händler weiterempfehlen. Dies sei betriebswirtschaftlich notwendig, weil sich nur so die hohen Online-Werbekosten rechnen: Sie schlagen bei beliebten Suchbegriffen wie „Crosstrainer“ mit bis zu 180 Euro pro verkauftem Gerät zu Buche.

Gegründet worden ist das Unternehmen 1984 vom ehemaligen Tischtennis-Bundesligaspieler Ulrich Tiedje. Er eröffnet damals in der norddeutschen Kleinstadt Schleswig ein erstes Sportgeschäft – „ein Gemischtwarenladen für Sportartikel“, wie Christian Grau heute sagt. 1999 geht dann die erste Internetseite des Unternehmens online. „Wir wurden mit Online-Anfragen überrannt“, erinnert sich der Informatiker: „Nach vier Wochen hatten wir die erste Bestellung aus China.“ Dass Sport-Tiedje früh auf E-Commerce setzt, ist auch dem Firmensitz in der Provinz nahe der Grenze zu Dänemark geschuldet. „In Schleswig hat man eben weniger Laufkundschaft als auf der Mönckebergstraße in Hamburg oder auf dem Kurfürstendamm in Berlin“, sagt Grau. 2001 wird er Mitinhaber von Sport-Tiedje, der Jahresumsatz steigt auf 2,7 Millionen Euro. Zwei Jahre später liegt er schon bei 5,7 Millionen Euro.

Sport-Tiedje wächst schnell. Seine erste Filiale eröffnet das Unternehmen dennoch erst 2003 – in Berlin. Weitere Dependancen folgen, Umsatz und Gewinn legen weiter zu. Heute setzt das Unternehmen bereits jährlich über 40 Millionen Euro um. Zu verdanken sei das vor allem „unseren zwei starken Vertriebswegen“, ist Grau überzeugt. Das sieht auch Eckhart Hilgenstock so. Für den Handelsexperten ist Sport-Tiedje „ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Multi-Channel-Vertrieb“.

Sportliches Geschäft. Mit Fitnessgeräten setzt die Kette Sport-Tietje über 40 Millionen Euro im Jahr um.
Sportliches Geschäft. Mit Fitnessgeräten setzt die Kette Sport-Tietje über 40 Millionen Euro im Jahr um.Foto: imago/fotoimedia

Das Sortiment des Hidden Champions aus dem Norden umfasst mittlerweile mehr als 6000 Artikel. Dass der Name Sport-Tiedje in Deutschland dennoch so wenig bekannt ist, gehört zur Firmenstrategie. Lieber stellt die Firma die Namen der Marken in den Vordergrund, die es verkauft: etwa Kettler oder Life Fitness.

80 Prozent seines Geschäfts macht das Unternehmen noch immer mit Privatleuten, die sich ein Gerät für zu Hause kaufen. Auch einige Promis wie Tom Cruise oder Rapper Eminem sollen ihre Fitnessgeräte bei Sport-Tiedje kaufen. Der übrige Umsatz entfällt auf Verkäufe an Fitness-Studios, Sportvereine, Physiotherapiepraxen und Hotels.

Härtester Konkurrent neben Online- und Offline-Supermärkten wie Amazon oder Lidl ist der Fachhändler Cardio Fitness mit fünf Filialen und einem WebShop. Christian Grau, der Ulrich Tiedje vor vier Jahren die letzten Firmenanteile abgekauft hat, glaubt fest an den langfristigen Erfolg seines Unternehmens. Er will weiter wachsen – und schon bald neue Filialen eröffnen.

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