KfW-Award GründerChampions 2014 : Was innovative Unternehmer glücklich macht

Die diesjährigen Landessieger aus Berlin und Brandenburg reüssieren mit Musiksoftware und der Herstellung von Speiseeis.

Susanne Ehlerding
Foto: degut
Die Deutschen Gründer- und Unternehmertage (deGUT) werden in diesem Jahr zum 30. Mal veranstaltet. Sie bieten Messebesuchern auf...

Zum Start der Deutschen Gründer- und Unternehmertage (deGUT) verbreitet Berlins Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) noch einmal die gute Nachricht: „Berlin bleibt deutsche Gründerhauptstadt.“ Trotz bundesweit rückläufiger Zahlen setzte sich in der Hauptstadt der Boom mit über 40000 Neugründungen im vergangenen Jahr fort. 121 Gründungen je 10000 Einwohner gab es hier, mehr als in allen anderen Bundesländern. Auch der Saldo aus neuen und abgemeldeten Unternehmen war trotz fallender Tendenz mit gut elf Prozent wieder positiv.

Die Statistiken für Brandenburg können sich ebenfalls sehen lassen: Mit einer Selbstständigenquote von 12,7 Prozent liegt das Land an erster Stelle vor den anderen neuen Ländern und zwei Prozent über dem Bundesdurchschnitt, so das Wirtschaftsministerium. Im ersten Halbjahr 2014 wurden fast 9600 Gewerbe angemeldet, zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Die Abmeldungen sanken im gleichen Zeitraum um 0,5 Prozent auf 9000. Vom „Glück des Gründens“ – so lautet der Titel eines Vortrag auf der deGUT – lassen sich also immer mehr Menschen anstecken.

Langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass es dabei vor allem auf eine gut durchdachte Idee ankommt, nicht auf viel Kapital oder das betriebswirtschaftliche Handwerkszeug. So jedenfalls lautet das Credo des Berliner Wirtschaftswissenschaftlers und Unternehmers Günter Faltin. Mit dem Erfolg der Teekampagne bewies er die Tragfähigkeit seiner Theorie. Unternehmen, die genauso gut nachdachten, werden am Donnerstag zum Auftakt der deGUT als Sieger des Wettbewerbs „KfW-Award GründerChampions 2014“ prämiert. Das Berliner Preisträger ist das Unternehmen „Bitwig“.

Mit „Bitwig Studio“ kann man komplexe Signalflüsse bauen

Es wird ausgezeichnet für „Bitwig Studio“, eine Musikproduktionssoftware. Die vier Gründer bilden ein internationales Team. Sie kommen aus Großbritannien, Schweden, Deutschland und der Schweiz. Die Unternehmer kennen sich aus ihrer Zeit bei „Ableton“, ebenfalls ein Berliner Hersteller von Musiksoftware. So wie Native Instruments, einer der ganz Großen der Branche, der in Kreuzberg gegründet wurde.

„Die Wende in Berlin 1989 und die Freiräume danach waren ein unglaublich fruchtbarer Nährboden. Aus neuer Musik sind Ideen für neue Musiktechnologie-Produkte entstanden und umgekehrt. Es hat viel mit der Technoszene zu tun, dass es in der Stadt so viele Unternehmen für Musiksoftware gibt“, sagt der Schweizer Placidus Schelbert. Doch warum noch eines und warum wurde es so erfolgreich? Immerhin nutzen schon wenige Monate nach Verkaufsstart in diesem Jahr zehntausende Musikbegeisterte aller Altersklassen die Software von Bitwig, teilt die KfW mit. „Wir haben genau hingeschaut, wo es Hürden zwischen den Nutzern und der Technologie gibt und wie wir bestimmte Funktionen verbessern konnten“, sagt Schelbert.

„So können mit dem Programm sehr komplexe und variable Signalflüsse gebaut werden, die in anderen Produkten eher umständlich konfiguriert werden müssen.“ Die Schnittstelle zu virtuellen Synthesizern ist im Programm als separater Prozess angelegt, was es sehr stabil macht. „Bitwig Studio“ ist außerdem eins der ganz wenigen Musikprogramme, das auch über das Betriebssystem Linux läuft. „Es war nicht einfach, Bitwig Studio zu vermarkten, weil es viele solcher kleinen Dinge sind, die das Programm interessant machen und dafür sorgen, dass man schnell Spaß damit hat“, sagt Schelbert.

„IceGuerilla“ will in Zukunft 30 Tonnen Speiseeis pro Tag produzieren

Der Markt für Musiksoftware an sich sei aber für Newcomer gut geeignet. „Es ist ein Nischenmarkt, wo die Skalierbarkeit nicht gegeben ist.“ Sprich: Man kann nicht besonders viele Produkte verkaufen. Deshalb ist er nicht so spannend für Giganten wie das Unternehmen Apple, das mit Emagic natürlich auch eine Firma für Musiksoftware besitzt und die App „Garage Band“ herausgibt. Gegen solche Mitbewerber hätten in diesem Markt auch kleine Unternehmen mit Innovationen eine Chance, sagt Placidus Schelbert. Als Unternehmen aus Brandenburg wird das Unternehmen „IceGuerilla“ mit dem KfW-Award ausgezeichnet.

Anfangs war die Herstellung von Eiscreme für Monika und Ralf Schulze nur ein Nebenprodukt einer anderen Gründung. Eigentlich wollten sie nur das Kino in Beeskow wieder flottmachen, was ihnen seit 2000 auch sehr erfolgreich gelang. Um das Geschäft in den schwächeren Sommermonaten zu beleben, empfahlen Berater, im Café des Kinos Eis zu verkaufen. Selbst gemachtes Eis am besten. Das kam Ralf Schulze entgegen, der immer schon gern Eis gegessen hat. „Wir haben gelernt und gelernt und uns Stück für Stück erarbeitet, wie Eismachen geht“, berichtet er.

2009 war die Grenze erreicht: Die Kinoküche wurde zu klein für die Produktion. Denn die Schulzes belieferten bereits auch andere gastronomische Einrichtungen. Und so wurde „IceGuerilla“ gegründet, eine Produktionsanlage errichtet, „Sie war so groß, dass wir dachten, wir müssten nie wieder eine bauen“, sagt Schulze. Welch ein Irrtum! Die beiden Gründer planen nun den Bau eines Werks mit einer Kapazität von sage und schreibe 30 Tonnen Speiseeis pro Tag.

Ralf Schulzes Erfolgsgeheimnis ist, „die guten Eigenschaften verschiedener Sorten in einer Rezeptur zusammenzuführen“. Dabei lässt er nicht locker und hat gerade wieder ein Seminar besucht. „Dort habe ich gelernt, dass bestimmte Zuckerarten den Geschmack von Kiwi-Eis noch viel besser zur Geltung bringen“, berichtet er begeistert. Was Ralf Schulze außerdem wichtig ist: „Wir stellen uns nicht als Chefs hin. Meine Frau und ich betrachten unsere Angestellten als Teil der Familie.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar