KfW : Die Staatsbank und die Kreditklemme

Der Markt für langfristige Finanzierungen sei vollständig versiegt, sagt KfW-Chef Schröder. Den Tiefpunkt erwartet er Mitte 2010.

Frankfurt am Main/Berlin - Die staatliche KfW-Bankengruppe sieht Anzeichen für eine Kreditklemme bei langfristigen Finanzierungen. „Der Markt ist vollständig versiegt, wir brauchen mehr langfristige Finanzierungen“, sagte KfW-Vorstandschef Ulrich Schröder am Mittwochabend im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten.

Er habe erhebliche Sorgen, dass alle Unternehmen von einer Kreditklemme getroffen werden könnten, die kleinere Beträge mit langen Laufzeiten nachfragten, etwa für Käufe von Immobilien oder Anlagegütern, sagte Schröder. Dagegen seien die Konditionen im kurzfristigen Bereich günstig. Ähnlich äußerte sich Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), der am Donnerstag in Berlin von einer „gespaltenen“ Lage sprach. Bei Krediten mit einer Laufzeit von bis zu drei Jahren sei es derzeit vergleichsweise positiv. „Über drei Jahre hinaus ist es äußerst schwierig.“ Zwangsmaßnahmen, wie zuletzt von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) angedroht, seien abzulehnen. Hier gebe es auch rechtliche Barrieren, sagte er.

KfW-Chef Schröder sieht zwar aktuell noch keine generelle Kreditklemme, sieht aber – wie Guttenberg – eine sehr gespaltene Situation am Kreditmarkt. Die schlimmste Phase erwartet er erst Mitte 2010. Das gelte vor allem für langfristige Finanzierungen. Private Banken hätten bei der Refinanzierung solcher Darlehen große Probleme. „Beim 2,4-Milliarden-Euro-Kredit für den Flughafen Berlin-Brandenburg war es fast unmöglich, private Banken zu gewinnen. 1,9 Milliarden Euro kommen von Förderbanken“, sagte Schröder.

Die Krisen-Anfragen an die Förderbank im Rahmen der Konjunkturpakete nehmen unterdessen kontinuierlich zu: Mittlerweile bekommt die Bank pro Woche 20 bis 25 Anträge, die große Mehrzahl von Mittelständlern. Nur ein Antrag pro Woche werde von einem Großunternehmen gestellt. Insgesamt sind bislang rund 1700 Anträge mit einem Volumen von sieben Milliarden Euro eingegangen. Insgesamt stehen für 2009 und 2010 rund 40 Milliarden Euro bereit. Bei normalen Förderkrediten allerdings lag die Nachfrage im ersten Halbjahr wegen der Rezession unter den Erwartungen, sagte Schröder. Der KfW-Chef bestätigte, dass die Banken die Zinsen für langfristige Firmen- und Wohnungsbaukredite um bis zu 25 Punkte angehoben hätten, weil die Refinanzierung teurer geworden sei. Zuvor waren sie im Januar und April reduziert worden. Vermutlich noch im Juli werde die jetzige Erhöhung wieder zurückgenommen.

Die Wirtschaftskrise selbst beflügelt das Geschäft der KfW. „Die Ertragslage ist sehr gut, das Ergebnis des ersten Halbjahres wird positiv überraschen“, sagte Schröder, der für das gesamte Jahr ein sehr gutes Ergebnis erwartet. Neue Einnahmequellen will sich die KfW in der Finanzierung von Städten und Gemeinden erschließen. Hier sollen Kredite mit einer Laufzeit von einem Jahr und Volumen von zehn Milliarden Euro pro Jahr vergeben werden. Daneben will die Staatsbank im Herbst mit dem Aufkauf von hermesgedeckten oder vom Bund garantierten Exportkrediten beginnen.

Schließlich soll sich die KfW für den Bund auch zur Investmentbank entwickeln und Staatsbeteiligungen aktiv managen. Schon jetzt hält die KfW für den Bund Aktienpakete an der Telekom und der Post. Und auch ein Einstieg mit 25 bis 30 Prozent bei der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit steht nach Informationen des „Handelsblatts“ auf dem Wunschzettel der Bank. Entwicklungshilfeministerium und GTZ wollten sich dazu nicht äußern.ro/dpa

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