KfW : Porsche verzichtet auf staatlichen Kredit

Porsche hat den Kampf um einen Kredit von der staatlichen Förderbank KfW aufgegeben. Jetzt beginnt die Suche nach neuen Geldquellen

Porsche hatte mitgeteilt, dass das Unternehmen seinen Kreditantrag nicht nachbessern wolle. Nun, da klar ist, dass der Sportwagenhersteller die beantragten 1,75 Milliarden Euro nicht erhält, suchen die hoch verschuldeten Stuttgarter nach einer Lösung. Privatbanken kommen wohl nicht in Frage: In Porsche-Kreisen hatte es zuletzt geheißen, die Banken gäben dem Unternehmen wegen der schwachen Bilanz derzeit keine weiteren Gelder. Eingeweihten zufolge hatte Porsche in den vergangenen Monaten bereits mit allen Geschäftsbanken der Welt gesprochen.

Will Porsche selbstständig bleiben, gibt es nur zwei Lösungen: Porsche fährt einen schärferen Sparkurs oder das Emirat Katar springt doch noch helfend ein. 

Möglich ist aber auch die Variante, dass Volkswagen einspringt. Die Wolfsburger hatten Porsche im Zuge seiner Verhandlungen über die Verlängerung einer Kreditlinie über zehn Milliarden Euro im März bereits mit einem Darlehen über 700 Millionen Euro ausgeholfen. Das Darlehen wird im September fällig. 

Seit dem Frühjahr hat sich das Klima zwischen den beiden Autoherstellern jedoch deutlich verschlechtert. Erst zu Wochenbeginn wies Porsche eine Offerte von VW zur Übernahme von knapp 50 Prozent des Sportwagengeschäfts als Erpressungsversuch zurück.

Porsche hält 51 Prozent der Stimmrechte an VW, hat aber wegen Finanzproblemen seinen ursprünglichen Plan zur Übernahme einer Beherrschungsmehrheit fallengelassen. Im Sommer muss Porsche 640 Millionen Euro aus einer Hybrid-Anleihe auszahlen, im März kommenden Jahres stehen Schulden über mittlerweile 10,75 Milliarden zur Ablösung oder Verlängerung an. Die 1,75 Milliarden Euro bräuchte der Konzern, um die laufenden Geschäfte zu bezahlen.

Um den Schuldenberg abzutragen und damit wieder kreditfähig zu werden, verhandelt Porsche-Chef Wiedeking seit Monaten mit dem Emirat Katar. Die Araber hätten mittlerweile ein Angebot zum Einstieg bei Porsche und zur Übernahme von VW-Optionen abgegeben, heißt es bei Porsche. Von dieser Offerte muss Wiedeking noch die Eigentümerfamilien Porsche und Piech überzeugen, die über die Wege zum Schuldenabbau zerstritten sind: Die Familie Porsche will ihre jahrzehntelange Vormacht bei dem Unternehmen nicht aufgeben, VW-Patriarch Ferdinand Piech will  mit einem Notverkauf von Porsche an VW in seinen Machtbereich bringen.

Aber auch die Staatskanzlei in Niedersachsen verlangt als zweitgrößter VW-Aktionär Mitspracherechte. "Es ist anzunehmen, dass der Einstieg von Katar nur funktioniert, wenn es zwischen allen Beteiligten eine einvernehmliche Lösung gibt", sagte ein Regierungssprecher in Hannover.

Am 16. Juli trifft sich der VW-Aufsichtsrat zu einer außerordentlichen Sitzung.

ZEIT ONLINE, Reuters, dpa, sp

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