• Kfz-Gewerbe kritisiert die Hersteller - Neustrukturierung der Vertriebsnetze bedroht Tausende von Arbeitsplätzen

Wirtschaft : Kfz-Gewerbe kritisiert die Hersteller - Neustrukturierung der Vertriebsnetze bedroht Tausende von Arbeitsplätzen

Scharf kritisiert hat der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), Jürgen Creutzig, Pläne und Vorgehensweise der Automobilkonzerne gegenüber dem Autohandel. Hier werde "mit Seelenlosigkeit" und "auf dem Rücken der Autohändler" eine Neustrukturierung der Vertriebsnetze "durchgepeitscht", sagte Creutzig am Montag in Bonn. Es drohe der Verlust von Tausenden von Arbeitsplätzen. Der Hintergrund: Beinahe alle Automobilfirmen strukturieren derzeit ihre Händlernetze um. Dadurch wollen die Autohersteller eine deutliche Senkung ihrer Vertriebskosten erreichen. Für den Autofahrer soll sich dabei wenig ändern. Angestrebt wird nicht eine Verminderung der Werkstätten, sondern der Betriebsinhaber. Etliche Autofirmen haben bereits die Verträge mit ihren Händlern gekündigt, wie beispielsweise Honda in der vergangenen Woche. Man wolle durch ein "profitables und professionelles Händlernetz" künftig eine bessere Kundenbetreuung gewährleistet, hatte Honda-Sprecher Willy Cohnen die bisherigen Vertragspartner "abgewatscht".

Creutzig befürchtet, dass "10 bis 15 Prozent der Arbeitsplätze" in der Branche gefährdet seien. Derzeit gibt es bundesweit rund 25 000 Vertragswerkstätten mit 380 000 Beschäftigten. Es bestehe sicher ein Bedarf an Restrukturierungen, betonte Creutzig. Aber derzeit "wird der Sanierungsprozess allein auf dem Rücken der Händler ausgetragen", die teilweise mit ihren Millioneninvestitionen im Regen stünden. Zudem würden Betriebsinhaber "mehr oder minder sanft gezwungen zu verkaufen". Dabei hätten nicht die Händler die Fehler gemacht, sondern "die Hersteller haben die bestehenden Systeme kreiert". Auf Seiten der Autokonzerne seien "zahlreiche Managementfehler begangen worden, und der Markt hat sich geändert", sagte Creutzig. So habe "Ford in den 70-er Jahren sein Händlernetz aufgeblasen, um sinkende Zulassungen auszugleichen". Nun wolle Ford nur noch "mit 130 neuen Wirtschaftsräumen und jeweils einem direkten Partner arbeiten". Durch besseren Management seitens der Hersteller liessen sich die Vertriebskosten deutlicher reduzieren als durch Netzumbauarbeiten, meinte Creutzig. "Die Zahlen, die uns die Werke für ihre Vertriebsaufwendungen nennen, kann doch kein Aussenstehender nachvollziehen." Solange "der Produktionschef den Vertriebschef dominiere", werde am Markt mit unnötigen Verlusten vorbei produziert. "Wir müssen kürzere Lieferzeiten und viel flexibleres Eingehen auf die Kundenwünsche erreichen", forderte der ZDK-Geschäftsführer, und da bedürfe es enormer Anstrengungen.

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