Wirtschaft : Kieler Ökonomen kritisieren mangelnde Reformbereitschaft von Ländern der Dritten Welt

Martina Ohm

Ein Großteil der so genannten Strukturanpassungsprogramme von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank scheitert an der Umsetzung durch die Politiker vor Ort. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Rainer Thiele und Manfred Wiebelt vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel. Die beiden Ökonomen untersuchten im Auftrag der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) die Wirksamkeit von Anpassungsprogammen der beiden Bretton-Woods-Institute aus den letzten 20 Jahren. Quintessenz: Mangelnde Reformbereitschaft in den Entwicklungsländern beeinträchtigen den Erfolg der Programme und mithin den Fortschritt. Damit teilen die beiden Kieler Autoren nicht die gängige Pauschalkritik, derzufolge die Anpassungsprogramme von Fonds und Weltbank als grundsätzlich nicht entwicklungsverträglich bezeichnet werden.

Die Ergebnisse ihrer Untersuchung sollen dem Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit als Argumentationshife dienen. Das Entwicklungsministerium möchte mehr Einfluss auf die Programme von Währungsfonds und Weltbank ausüben. Bislang beschränkt sich die Zusammenarbeit weitgehend auf die Cofinanzierung. Künftig möchte sich die Regierung aber auch gezielt über die Programminhalte austauschen.

Der Studie zufolge sind sowohl die Programme des Währungsfonds als auch der Weltbank, gemessen an den üblichen Kriterien - Leistungsbilanz, Preissteigerungsrate und öffentliche Haushalte - allerdings nicht so erfolgreich wie man es erwarten könnte. Nur die Hälfte der Länder, in denen Anpassungsprogramme durchgeführt wurden, konnte den angepeilten Abbau des Haushaltsdefizits erreichen.

In den meisten Ländern sei die Armutsrate während der Anpassungsphase nur geringfügig gesunken. Nur selten sei zudem das Ziel erreicht worden, die staatlichen Gesundheits- und Bildungsausgaben derart umzuschichten, dass auch ärmere Bevölkerungsgruppen davon profitierten. So würden Universitäten meist vom Staat finanziert, aber auf dem Land fehle das Geld für Primarschulen.

Dass die ökonomischen und sozialen Anpassungsziele häufig verfehlt würden, liege aber nicht an der Konzeption der Programme, macht Co-Autor Thiele deutlich, sondern vielmehr an der Unwilligkeit der nationalen Regierungen, die um Hilfestellung gebeten hätten. In aller Regel haben diese Länder Probleme mit einer hohen Inflationsrate, einem nennenswerten Haushaltsdefizit und entsprechendem Defizit in der Leistungsbilanz, was im Wesentlichen auf ein Ungleichgewicht in der Handelsbilanz zurückzuführen ist. Sie könnten sich aber meist nicht mit den meist sehr detaillierten Auflagen identifizieren.

Die Autoren empfehlen den Krisenmanagern von Weltbank und Währungsfonds bei der an Auflagen gebundenen Kreditvergabe künftig selektiver vorzugehen und den Empfängerländern mehr Freiräume zu gewährleisten. Auf diese Weise könnte man in Ländern, in denen die Situation nicht ganz so krass sei, durchaus Erfolge erzielen. Unter den drei Fallstudien - Uganda, Peru und Simbabwe -, die die Autoren behandelt haben, ist Uganda ein Beispiel für eine positive Wirkung von Strukturanpassungsprogrammen. Seit 1987 arbeitet der afrikanische Staat mit diesen Programmen. Die Anteil der armen Bevölkerung ist seither von 55 Prozent auf 40 Prozent und die Inflation von 300 Prozent auf unter zehn Prozent gesunken. Auch seit Anfang der 90er Jahre in Angriff genommenen Anpassungsprogramme für Peru haben dazu geführt, dass sich die sozialen Indikatoren verbessern konnten. Die Inflation ist von astronomischen 10 000 Prozent 1989 auf mittlerweile unter zehn Prozent gesunken. Demgegenüber gilt Simbabwe als ausgesprochener Fehlschlag. Trotz der Anpassungsprogramme erhöhte sich die Armutsrate weiter. Auch die Inflationsrate stieg.

Um die Situation der ärmeren Bevölkerung auf Dauer zu verbessern, seien außer einer Wachstumspolitik weitere gezielte Maßnahmen notwendig. Durch die Einrichtung von so genannten temporären Kernbudgets könnten bestimmte Ausgaben für wesentliche Aufgaben in der Grundversorgung im Bildungs- und Gesundheitswesen von einer notwendigen Sparpolitik ausgenommen werden, empfehlen die beiden Kieler Ökonomen.

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