Kind und Karriere : Senatorin Scheeres besucht familienfreundliche Unternehmen

Zwischen Windeln und Prothesen: Am Donnerstag besuchte Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres Unternehmen, die ihren Mitarbeitern helfen, Kind und Beruf zu vereinen.

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Wohlfühlen sollen sich Mitarbeiterkinder und ihre Eltern beim Gasversorger Gasag. Vorstand Andreas Prohl zeigte Senatorin Sandra Scheeres das Eltern-Kind-Büro.
Wohlfühlen sollen sich Mitarbeiterkinder und ihre Eltern beim Gasversorger Gasag. Vorstand Andreas Prohl zeigte Senatorin Sandra...Handwerkskammer

Berlin - Sandra Scheeres steht vor einem Schaf aus Plüsch. Zu ihren Füßen liegt ein Teppich, auf den Straßen aufgemalt sind. An der Wand klebt das Alphabet in bunten Lettern. Scheeres nickt: „Sehr anregend.“

Am Donnerstag besuchte Berlins Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft mit Vertretern von Handwerkskammer, IHK und Deutschem Gewerkschaftsbund familienfreundliche Unternehmen. Im Firmensitz des Gasversorgers Gasag am Hackeschen Markt interessierte sie besonders das Eltern-Kind-Zimmer inklusive Wickeltisch, das allen Angestellten offen steht. „In meiner Senatsverwaltung möchte ich auch so ein Büro einrichten“, erklärte die SPD-Politikerin. Gasag-Vorstand Andreas Prohl hatte wertvolle Tipps. „Unsere Nintendo 3D ist der Hit.“ Da seien alle Kinder so gebannt, dass die Erwachsenen ungestört arbeiten könnten. Allerdings, empfahl der Firmenchef, sei es besser, die Konsole im Schrank zu verwahren: „Manche Eltern sind gegen diese technischen Spiele. Und man will ja nicht seine Mitarbeiter verärgern.“

Ganz im Gegenteil. Ausgehend von einer Mitarbeiterbefragung hat die Gasag diverse Angebote entwickelt, um den 476 Beschäftigten in der Hauptverwaltung das Leben zu erleichtern. Das Eltern-Kind-Büro ist nur ein Baustein des Konzepts, das helfen soll, Beruf und Familie zu vereinbaren. Wer Angehörige versorgt, hat neben Teilzeitmodellen die Option, von zu Hause aus zu arbeiten.

Murat Kretschmer, Mitarbeiter der Konzernkommunikation, blieb bereits vor der Geburt seines Sohnes zwei Tage pro Woche zu Hause. „So hatte ich die Chance, meine Frau während ihrer Schwangerschaft zu begleiten.“ Die Vorteile des Home-Office lernte der 40-Jährige schnell zu schätzen. „Nach dem Aufstehen kann ich mich direkt an den Schreibtisch setzen. Dafür lasse ich die Arbeit auch mal zwei Stunden ruhen, um mich um den Kleinen zu kümmern.“

Den Arbeitsplatz daheim stattete die Firma aus. Ein Familienservice, mit dem die Firma kooperiert, vermittelt, wenn Kita- oder Pflegeheimplätze gefunden werden müssen. Und wenn ein Mitarbeiter Vater wird, ermuntert der Vorstand ihn persönlich, in Elternzeit zu gehen.

Für dieses Engagement ist die Gasag kürzlich im Rahmen des Landeswettbewerbs „Unternehmen für Familie“ ausgezeichnet worden. „Natürlich sind die Maßnahmen nicht ganz uneigennützig“, sagt Personalchef Eberhard Richter. „Familienfreundlichkeit ist kein Erdbeertee-Thema. Wir spüren seit drei Jahren, dass es immer schwieriger wird, gutes Personal zu gewinnen.“ Die Zahl der Bewerber um Ausbildungsplätze sei um die Hälfte zurückgegangen. Umso wichtiger ist es dem Unternehmen, als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden – und die eigenen Leute zu halten.

Neben der Gasag besuchte Senatorin Scheeres an diesem Tag auch das ebenfalls ausgezeichnete Sanitätshaus Koch in Neukölln, das Prothesen, Einlagen und andere orthopädische und medizinische Hilfsmittel herstellt. Mit drei Führungskräften in Teilzeit liefere der 38 Mitarbeiter starke Betrieb den Beweis, dass die Kombination von Karriere und Familie auch auf der Führungsebene möglich sei, lobte die Senatorin. Das Sanitätshaus bezuschusst die Kinderbetreuung und gewährt flexible Arbeitszeiten.

„Bei meiner Großen läuft es in der Schule noch nicht ganz reibungslos“, sagt Marion Haschke, 39, die seit zwei Jahren Bandagistin im Sanitätshaus ist. „Darum gehe ich an drei Tagen früher und helfe ihr bei den Hausaufgaben.“ Wenn eines ihrer zwei Kinder krank wird, hilft die Firma mit. „Wir organisieren dann eine Vertretung“, sagt Mareen Koch, die das Familienunternehmen in der zweiten Generation leitet. „Die wenigsten Kinder passen nunmal auf sich selber auf.“ Maris Hubschmid

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