Kinderbetreuung : Überarbeitet und unterbezahlt: Verdi will Erzieherinnen stärken

Die Gewerkschaft Verdi will sich im kommenden Jahr verstärkt für Erzieherinnen und Erzieher einsetzen. Denn eine Studie zeigt: Viele haben gesundheitliche Probleme, fürchten den Verlust ihres Jobs oder verdienen zu wenig.

Katja Reimann

BerlinBerlin - Erzieherinnen und Erzieher in Deutschland sehen sich täglich starken Arbeitsbelastungen ausgesetzt und fühlen sich unterbezahlt. Dies geht aus einer repräsentativen Studie hervor, die die Gewerkschaft Verdi am Montag vorstellte. Im Auftrag der Einzelgewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes DGB untersuchte das Internationale Institut für Empirische Sozialforschung (Inifes) Arbeitsbedingungen aus Sicht der Beschäftigten. In den Jahren 2007 und 2008 wurden insgesamt 13 807 abhängig Beschäftigte befragt, darunter 202 Erzieherinnen und Erzieher.

Im kommenden Jahr will sich Verdi nun verstärkt für Erzieherinnen und Erzieher einsetzen. So sollen künftig die Arbeitsbedingungen in Kindergärten und der Gesundheitsschutz der Angestellten verbessert sowie die Löhne erhöht werden. Tarifverhandlungen sollen nach den Worten von Verdi-Chef Frank Bsirske im Januar 2009 beginnen.

Die steigenden Erwartungen vieler Eltern setzten auch Erzieher vermehrt unter Druck, sagte Bsirske. Zwar identifiziere sich diese Berufsgruppe stark mit ihrer Arbeit. Problematisch seien jedoch neben der schwierigen Einkommenssituation auch die Belastungen durch Lärm und körperliche Arbeit. So sind 23 Prozent der Befragten mit ihrer Arbeit vollständig zufrieden, 55 Prozent sind alles in allem zufrieden, sehen aber noch Verbesserungspotenziale.

Insbesondere das geringe Gehalt und die mangelnde Arbeitsplatzsicherheit belasten viele (69 Prozent). So haben 31 Prozent der vollzeitbeschäftigten Erzieher ein Bruttoeinkommen von weniger als 2000 Euro im Monat. Etliche Befragte klagen zudem über gesundheitliche Probleme wie Rücken- und Kopfschmerzen. Nur 13 Prozent geben an, während oder unmittelbar nach der Arbeit keine Beschwerden zu haben.

Nach Angaben von Verdi gibt es zur Zeit rund 350 000 Erzieher und Kinderpfleger in Deutschland. Bis zu 80 000 mehr Kräfte würden bis zum Jahre 2013 benötigt. Dabei plädierte Bsirske auch künftig für eine kostenfreie Kinderbetreuung. Für die Finanzierung der zusätzlichen Erzieher und der Betreuungsplätze sollten Vermögen, Erbschaften und Unternehmensgewinne höher besteuert werden, sagte er. Katja Reimann

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