Kindersitze im Test : Bequem, aber potentiell gefährlich

Die meisten Kindersitze bieten dem Nachwuchs guten Komfort. Doch viel wichtiger ist der Schutz bei Unfällen - der ist nicht bei allen Modellen optimal.

Birte Honsa
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Falsche Variante. Kleinkinder sollten rückwärts zur Fahrtrichtung sitzen. -Foto: p-a/dpa

Ferienzeit, Autoreisezeit. Lange Strecken werden für Kinder schnell zur Qual, besonders dann, wenn der Kindersitz unbequem ist. Doch „Komfort und Handhabung“ war im aktuellen Kindersitztest der Stiftung Warentest und des ADAC natürlich nur ein Kriterium. Im Mittelpunkt stand die Unfallsicherheit. Schließlich sind Kinder wegen ihrer empfindlichen Halswirbelsäule bei Autounfällen besonders gefährdet. Deshalb besteht auch auf kurzen Strecken für Kinder bis zwölf Jahre oder bis zu einer Körpergröße von 1,50 Meter Kindersitzpflicht. Schultern und Becken sind vorher nicht stark genug, um den Autogurt zu halten.

Die 22 getesteten Modelle wurden einem Frontalcrash mit 64 Kilometern pro Stunde sowie einem Seitenaufprall ausgesetzt. Ein ungesichertes Kind kann sich bereits bei einem Frontalaufprall mit 30 Kilometern pro Stunde schwer verletzen.

„Gut“ bis „befriedigend“ fahren Kinder in 18 der geprüften Kindersitze, „mangelhaft“ dagegen in vier Sitzen. Die Note „sehr gut“ erhielt keines der Produkte. Während die Modelle in Sachen Komfort fast durchweg eine positive Bewertung erhielten, gab es deutliche Unterschiede bei der Sicherheit.

Alle Kriterien erfüllende Kindersitze sind zwar nicht zum Schnäppchenpreis zu haben. Für 129 Euro bekommt man aber schon die „gute“ Babyschale Cybex Aton, die mit dem herkömmlichen Autogurt befestigt wird. 195 Euro kostet die beste Babyschale im Test, die Römer Baby Safe Plus mit gegurteter Basis.

Für Kleinkinder empfiehlt sich weiterhin das rückwärts gerichtete Sitzen. Diese Modelle beanspruchen zwar viel Platz, sie lohnen sich aber auch: Die Sitze HTS Besafe iZi Kid X1 und Volvo schnitten beim Frontalaufprall als einzige mit „sehr gut“ ab. Sie sind mit 450 beziehungsweise 380 Euro allerdings die teuersten Modelle im Test.

Auch für größere Kinder ist ein Sitz mit integrierter Kopf- und Rückenstütze ratsam. In der Gruppe II/III (15 bis 36 Kilogramm Körpergewicht) schnitt der Cybex Solution X-Fix für 150 Euro am besten ab. Der mitwachsende Sitz kann zusätzlich zum Autogurt mit Isofixhaken befestigt werden und bietet so eine erhöhte Seitenstabilität.

Doch nicht alle Kindersitze zum Mitwachsen überzeugten. Alle Modelle im Test, die gleich drei Gewichtsklassen (Gruppe I, II, III) umfassen, wiesen Sicherheitsmängel auf. Der IWH Megamax mit Isofix schnellte im Crashtest sogar nach vorne.

Der Sitz sollte laut ADAC an Größe und Gewicht des Kindes angepasst werden. Dazu sollte das Kind besser aus dem alten Sitz „rauswachsen“ als in den neuen „reinwachsen“. Generell darf der Kopf aber nicht zu weit aus dem Sitz herausschauen.

Egal für welches Modell sich Eltern entscheiden: Sie sollten das Kind beim Kauf unbedingt Probe sitzen lassen und das eigene Auto mitnehmen. Denn längst nicht alle Sitze passen in jeden Wagen. Darüber hinaus sollte auf ein gültiges Prüfsiegel geachtet werden. Das in der Regel orangefarbene oder weiße Siegel ist am Sitz angebracht und sollte die Norm ECE 44/03 04 aufweisen. Sitze der älteren Norm EC 44 01/02 sind seit April 2008 verboten.

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