Wirtschaft : „Kino fürs Fernsehen ist der Schlüssel“

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Herr Bauer, warum hat die Ufa die Studios in Babelsberg nicht gekauft?

Wir wollen die Studios nicht haben. Wir sind in den vergangenen zwölf Jahren sicher fünf Mal gefragt worden. Die Ufa ist aber ein Unternehmen, das sich auf die Kreation und Produktion von Programminhalten konzentriert. Wir sind kein Produktionsdienstleister.

Der Mythos hat Sie nicht gereizt?

Studio Babelsberg ist dieser Mythos angedichtet worden. Das Missverständnis besteht darin, dass hier ein kleines Hollywood entstehen könnte. Babelsberg hat exzellente Handwerker. Aber ein Hollywoodstudio ist etwas anderes. Dort sind Kreation, Produktion und Vermarktung unter einem Dach vereint.

Verliert der Film an Bedeutung in Berlin-Brandenburg?

Alle Produzenten orientieren sich weltweit. Und sie fragen: Wo wird die beste Leistung am wirtschaftlichsten angeboten? Davon hängt ab, ob künftig Film in dieser Region gemacht wird.

Wie wettbewerbsfähig sind Babelsberg und Adlershof?

Adlershof ist im TV-Bereich technisch exzellent aufgestellt, Babelsberg hat einen richtigen Mix aus TV und Kino versucht. Die Wettbewerbsfähigkeit bemisst sich bei jedem Projekt. Wobei die Lohnkosten ein Problem sind. Großproduktionen gehen deshalb eher nach Tschechien, Rumänien oder Südafrika. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind entscheidend, wenn die Leistungen international vergleichbar sind.

Warum produzieren Sie in Babelsberg?

Weil es hier, etwa beim Kulissenbau, eine Qualität gibt, die erhalten werden muss. Zudem wollen wir etwas für den Erhalt des Standorts tun. Wir erhoffen uns immer noch, dass hier eine Creative Community entsteht.

Gibt es noch Studiobedarf, wenn die TV-Sender weiter sparen?

„Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ produzieren wir seit Jahren in Babelsberg und haben gerade die Kulisse für die deutsche Telenovela „Wege zum Glück: Bianca“ (ZDF) errichtet. Für eine weitere tägliche Dramaserie finden wir kaum noch Hallen in Berlin-Brandenburg. Es wird Studiobedarf geben. Die Frage ist, wer die Aufträge bekommt.

Auf welche TV-Trends müssen sich die Studios einstellen?

Die Sender merken, dass Formate wie Reality- oder Entertainmentshows nicht nachhaltig sind. Aufwändiges Kino für das Fernsehen ist der Schlüssel. Es muss gelingen in Berlin-Brandenburg eine größere Stückzahl solcher Filme zu realisieren, die ein drei bis vier Mal höheres Budget als ein durchschnittlicher deutscher Film für das Kino haben. Dann hat der Standort einen Wettbewerbsvorteil.

Das Interview führte Henrik Mortsiefer

Wolf Bauer ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Ufa Film & TV Produktion . Der größte deutsche Fernsehproduzent gehört über die RTL Group zu Bertelsmann .

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