Kinobranche : Ein Quantum Trost für das Kinojahr

Den neuen Bond haben schon zwei Millionen Zuschauer gesehen – die Branche hofft auf ein Ende der Krise. Cinemaxx zielt auf eine ältere Kundschaft, die über mehr Geld verfügt.

Matthias Oloew
Bond
Daniel Craig mit Bond-Girl Olga Kurylenko. -Foto: dpa

Berlin - Für einen Bond-Film ist der Titel ungewöhnlich, zur Situation der deutschen Kinowirtschaft passt er aber haargenau: „Ein Quantum Trost“ spendieren augenblicklich die Besucherzahlen des Films den Kinobetreibern. Weit mehr als zwei Millionen Besucher haben sich bereits Karten für den Thriller des Doppelnull-Agenten gekauft und deren Umsätze sind ein warmer Regen für die gebeutelte Branche. So rechnet die Kinobranche mit einem leicht verbesserten Ergebnis gegenüber dem schlechten Kinojahr 2007. Die Krise der Kinowirtschaft dürfte damit aber nicht überwunden sein.

Es sind geradezu existenzielle Probleme, die die Branche treffen. Seit Jahren liegen die Besucherzahlen weit unter den selbst gesetzten Erwartungen. Vor dem Boom der Multiplex kinos in Deutschland Anfang der 90er Jahre kalkulierte die Branche fest mit kontinuierlich 170 bis 200 Millionen Besuchern pro Jahr. 2007 erreichten die Zahlen hingegen einen Tiefststand mit nur 124 Millionen verkauften Karten. Auch die Umsätze gingen zurück und die Eintrittspreise bewegen sich seit zehn Jahren auf dem gleichen Niveau. Die Folge: Zahlreiche Kinos lassen sich nicht mehr kostendeckend betreiben.

Von der Entwicklung bleibt auch der ehemalige Branchenprimus, die Cinemaxx AG, nicht verschont. Defizitäre Kinos, auch neu eröffnete Multiplextheater, gab sie ab. Nachdem Cinemaxx in Berlin aus dem Multiplex „Colosseum“ in Prenzlauer Berg ausstieg, gab sie im Spätsommer auch das Haus in Hohenschönhausen auf. Auch den „Filmpalast Berlin“ am Kurfürstendamm gab die AG auf und betreibt in Berlin nun nur noch das 19-Säle-Kinozentrum am Potsdamer Platz. Darüber hinaus hat Cinemaxx ein Multiplex in Herten geschlossen und ein weiteres Kino in Bielefeld. Die Multiplexe in Hamm, Solingen, Mannheim, Darmstadt und Delmenhorst bei Bremen firmieren zwar noch unter dem Signet „Cinemaxx“, werden aber nicht mehr von der Gruppe betrieben.

„Wir wollen uns auf das konzentrieren, was uns auszeichnet“, erklärt Cinemaxx-Sprecher Arne Schmidt den Schritt und sieht die AG innerhalb des Konsolidierungskurses nun auf einem gutem Weg. Der amtierende Vorstand Christian Gisy wolle sicherstellen, dass Cinemaxx im kommenden Jahr wieder schwarze Zahlen schreibt. Im ersten Halbjahr 2008 verzeichnete das Unternehmen 2,3 Prozent mehr Besucher, der Umsatz stieg um 3,1 Prozent auf 84,5 Millionen Euro und das Ergebnis um 0,9 Millionen Euro auf 1,7 Millionen. Der September verlief in den Erwartungen des Vorstandes zwar enttäuschend, konnte aber durch die Besucherzahlen im Juli und August wieder ausgeglichen werden, so dass Cinemaxx mit dem Abschluss des dritten Quartals insgesamt zufrieden sei.

Zum 30. September schied bei Cinemaxx der Firmengründer und bisherige Vorstandsvorsitzende Hans-Joachim Flebbe aus, weil sein Vertrag nicht verlängert wurde. Zuvor habe es Differenzen über die Ausrichtung und Struktur des Unternehmens mit dem Hauptaktionär, der Tele-München-Gruppe, gegeben, berichten Branchenkenner. Flebbe bleibt zweitgrößter Aktionär und wechselt voraussichtlich in den Aufsichtsrat.

Nach seinem Ausscheiden gründete Flebbe ein neues Unternehmen, das nun mit neuen Partnern „Premium-Kinos“ betreiben will: ohne Popcorn, aber dafür mit viel Filmkunst. Als erstes Haus dieser Kette hat er den „Filmpalast Berlin“ von Cinemaxx übernommen und lässt derzeit das traditionsreiche Kino umbauen. Noch vor Weihnachten will er die Eröffnung feiern.

Flebbe zielt mit seinem Kino-Konzept auf eine Kundschaft, die älter und zahlungskräftiger ist. Ein Kurs, der sich rechnen könnte, denn die Besucherzahlen gehen deutschlandweit gerade in der bislang wichtigsten Altersgruppe – der 20 bis 29-Jährigen – deutlich zurück. So zählte die unabhängige Fimförderungsanstalt (FFA) im Zehn-Jahres-Vergleich in dieser Gruppe 41 Prozent weniger Besucher, während die Gruppe der Besucher, die älter als 60 sind, überproportional wuchs: plus 61 Prozent – allerdings von einem sehr niedrigen Niveau. Als Grund für diesen Trend nennt FFA-Sprecher Thomas Schulz die immer schnellere Auswertung der Filme in den Kinos und als DVD: „Die jungen Kunden warten oft, bis der Film im Handel ist, und schauen ihn als DVD.“ Das sei billiger als Kino.

Gleichzeitig scheuen nach FFA-Angaben Kinobesucher, die 40 und älter sind, die großen Multiplex-Theater. Sie bevorzugen das traditionelle Kino mit nur einer Leinwand und sind bereit, dafür mehr Geld auszugeben. Die Multiplexe mit sieben Sälen und mehr unter einem Dach werden dagegen hauptsächlich von Kunden bis 29 Jahre besucht. James Bond spricht allerdings beide Besuchergruppen an – sein „Quantum Trost“ gilt also für die ganze Branche.

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