Kinobranche : Stimmung gut, Zahlen schlecht

Die Kinobranche will 2007 schnell abhaken. Die Stimmung ist trotzdem besser als selten zu vor, wie der Vorstand der Filmförderungsanstalt kurz vor Eröffnung der Berlinale feststellte.

Juliane Schäuble

Berlin - Selbst der Zauberschüler Harry Potter konnte da nichts mehr ausrichten. Der im vergangenen Jahr erfolgreichste Film in Deutschland zog zwar mehr als zehn Millionen Menschen in die Kinosäle. Aber nun steht fest, dass 2007 mehr als elf Millionen Deutsche weniger einen Film sahen als noch ein Jahr zuvor – ein Rückgang von 8,2 Prozent auf 125,4 Millionen. Bei der Frage nach den Gründen für den Einbruch tappt die Filmförderungsanstalt (FFA), die die offiziellen Branchenzahlen für 2007 am Mittwoch in Berlin präsentierte, noch im Dunkeln. „Wir werden an der Ursachenforschung arbeiten“, kündigte FFA-Vorstand Peter Dinges an. Aber eines sei bereits klar: Kinobesucher seien wählerischer denn je.

Obwohl die Tickets um 16 Cent teurer geworden sind und nun im Schnitt 6,12 Euro kosten, gingen auch die Umsätze an den Kinokassen 2007 zurück: um 5,7 Prozent auf 768 Millionen Euro. Doch trotz der schlechten Zahlen stellte Dinges einen Tag vor der Eröffnung der Berlinale fest: „Selten war die Stimmung in der Branche besser.“ Er sehe „Optimismus, ausgelastete Filmstudios und hohe Budgets – aber keine Kinokrise“. Dinges zeigte sich vor allem über die deutschen Produktionen erfreut – obwohl ihr Anteil auf knapp 19 Prozent (23,4 Millionen Besucher) schrumpfte, nach dem Rekordwert 2006 von 25,8 Prozent. Doch der Oscar für „Das Leben der Anderen“, die Unterstützung durch den 2007 gestarteten Deutschen Filmförderfonds und ein guter Jahresbeginn bedingt durch Til Schweigers „Keinohrhasen“ lassen die Branche hoffen. Dies unterstrich der FFA auch mit einer Imagestudie zum deutschen Film. Wichtigstes Ergebnis: Deutsche Produktionen sind inzwischen ähnlich beliebt wie amerikanische.

Aber trotz allem: „Ohne US-Blockbuster geht es nicht“, sagte der FFA-Chef. Die Schwäche des ausländischen Films könnten deutsche Produktionen nicht ersetzen. Die Dimensionen sieht man schon daran, dass die zwei erfolgreichsten Filme in Deutschland, die US-Produktionen „Harry Potter und der Orden des Phoenix“ sowie „Pirates of the Caribbean – Am Ende der Welt“, mit zusammen mehr als 13 Millionen Besuchern gute zehn Prozent Anteil am Gesamtmarkt hatten. Unter die Top Ten schaffte es von den 174 neu gestarteten deutschen Filmen nur „Die wilden Kerle 4“, den 2,5 Millionen Deutsche sehen wollten. Nur gut, dass mit dem sechsten Teil der Harry-Potter-Reihe auch in diesem Jahr wieder ein Erfolgsgarant aus Hollywood an den Start geht. Juliane Schäuble

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