Kinomarkt : Cinemaxx wird britisch

Die Kinokette Vue übernimmt den deutschen Multiplex-Betreiber für rund 175 Millionen Euro. Ausländische Investoren teilen sich jetzt den Markt der Leinwandpaläste.

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Schlagkräftig. Cinemaxx betreibt 34 Kinocenter. In vielen davon kloppten sich in diesem Jahr die „Avengers“ auf der Leinwand. Foto: dapd
Schlagkräftig. Cinemaxx betreibt 34 Kinocenter. In vielen davon kloppten sich in diesem Jahr die „Avengers“ auf der Leinwand....

Berlin - Schnell und schmerzlos wie im besten Leinwand-Thriller hat die deutsche Kinokette Cinemaxx am Dienstag den Eigentümer gewechselt. Cinemaxx- Hauptaktionär Herbert Kloiber, der 85 Prozent der Anteile hält, wird seine Aktien an den britischen Kinobetreiber Vue verkaufen – für knapp 175 Millionen Euro. Das teilte das börsennotierte Unternehmen am Dienstag mit. Die Briten schnappen sich damit einen der großen deutschen Multiplex-Konzerne mit 34 Kinocentern, 292 Leinwänden und ungefähr 78 000 Plätzen in Deutschland und Dänemark. Die Cinemaxx-Aktie schoss nach dem Übernahmeangebot um 43 Prozent auf 6,36 Euro. Das ist etwas weniger als der Preis, den Vue zu zahlen bereit ist: 6,45 Euro pro Aktie.

Die drei großen Multiplex-Ketten in Deutschland – Cinestar, Cinemaxx und UCI Kinowelt – gehören damit künftig alle ausländischen Investoren. Marktführer Cinestar ist inzwischen Teil der Kinosparte des australischen Entertainmentkonzerns AHL, die Nummer drei UCI Kinowelt gehört dem Finanzinvestor Terra Firma Capital Partners.

Cinemaxx wurde 1989 von Hans-Joachim Flebbe gegründet und gilt als Vorreiter auf dem deutschen Multiplex-Markt. Sinkende Besucherzahlen, Überkapazitäten und hohe Mieten brachten das Unternehmen Ende der 90er Jahre an den Rand des Zusammenbruchs. Eine harte Sanierung folgte – und gelang. Für 2011 meldete der Konzern einen Überschuss von rund 19 Millionen Euro (Vorjahr: 28,2 Millionen Euro). Der Umsatz sank um 2,5 Prozent auf rund 200 Millionen Euro.

Der Münchener Film- und Fernsehunternehmer Herbert Kloiber stieg vor acht Jahren bei Cinemaxx ein, indem er der Dresdner Bank Kredite billig abkaufte und diese später in Eigenkapital wandelte. Der Gründer der Tele-München-Gruppe lobte am Dienstag die Unternehmensführung unter Christian Gisy: „In knapp fünf Jahren haben sie in durchaus turbulenten Zeiten die Cinemaxx AG zu einem höchst profitablen und schuldenfreien Unternehmen gemacht“, sagte er. Mit Vue hat sich Kloiber bereits geeinigt. Auch der Cinemaxx-Vorstand begrüßte das Angebot. Die 2080 Arbeitsplätze sind nach Angaben eines Vue-Sprechers nicht in Gefahr. Cinemaxx dürfte früher oder später von der Börse verschwinden.

Vue wurde 2003 gegründet und ist einer der größten Kinobetreiber Großbritanniens, hinter dem seit 2010 der Finanzinvestor Doughty Hanson & Co steckt. Im deutschen Kinogeschäft sind die Briten bislang nicht in Erscheinung getreten, die Cinemaxx-Übernahme ist der erste Schritt des Unternehmens auf den Kontinent. Vue verfügt über 85 Kinos vor allem in Großbritannien und Irland mit nahezu 800 Kinosälen und mehr als 156 000 Sitzen. Mit extrabreiten Sesseln, riesigen Leinwänden und flexiblen Preissystemen mischt das Unternehmen die Branche auf.

Erwartet wird, dass die Briten mit ähnlichen Ideen auch hierzulande punkten wollen. Auf dem deutschen Kinomarkt, der von den Leinwandpalästen dominiert wird, herrscht ein Verdrängungswettbewerb. Kleinere, unabhängigere Kinos haben nur noch in Nischen eine Chance. Die Besucherzahlen (2011: rund 130 Millionen) schwanken mit dem Angebot an Kassenschlagern. Zur Freude der deutschen Film- und Kinobranche hat sich der Umsatzanteil deutscher Produktionen bei rund 20 Prozent stabilisiert.

Der Vorstoß ausländischer Investoren bereitet der von Fördergeldern abhängigen deutschen Filmwirtschaft durchaus Sorgen. „Die wissen nicht, wie der deutsche Markt funktioniert“, sagte am Dienstag ein Experte, der nicht genannt werden möchte. Weil es um Steuergelder und Subventionen geht, sind die Beteiligten bei öffentlichen Äußerungen vorsichtig. Aggressiv operiert vor allem die UCI-Kette: Das Unternehmen zieht seit Jahren juristisch gegen das deutsche Filmförderungsgesetz zu Felde und ist aus dem tarifgebundenen Arbeitgeberverband ausgetreten.

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