Wirtschaft : Kinowelt droht nun endgültig das Aus

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Der Münchner Kinowelt Medien AG droht nach der Eröffnung ihres Insolvenzverfahrens die Zerschlagung. Der vom Amtsgericht München zum Insolvenzverwalter bestellte Rechtsanwalt Wolfgang Ott versuche zwar kurzfristig die Kerngeschäfte in einer Auffanggesellschaft zu retten, sagte eine Sprecherin des Filmrechtehändlers in München. Nach dem Zusammenbruch der Kirch-Gruppe sei es aber schwieriger geworden, einen Investor für Kinowelt zu begeistern.

Es laufen zwar weiter intensive Gespräche mit potenziellen Einstiegskandidaten, ließ Ott mitteilen. Der Fortbestand sowohl der Kinowelt-Dachgesellschaft als auch ihrer Lizenzhandelstochter seien nun aber unwahrscheinlich. Für beide ist vergangenen Dienstag das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Realistischer sei eine Rettung des vorhandenen Vermögens in einer neu zu gründenden Auffanggesellschaft, meint Ott. Dafür müsse aber ein Investor gefunden werden, der frisches Geld zuschießt, auch um bestehende Bankschulden in Höhe von 400 Millionen Euro zumindest teilweise zu befriedigen, sagte eine Kinowelt-Sprecherin.

Es ist unklar, ob die Kreditinstitute hinter dem Plan einer Auffanggesellschaft stehen oder bereits an die Verwertung des Kinowelt-Vermögens zur Rückführung ihrer Kredite denken. Ott stehe mit den Banken in Kontakt, sagte eine Kinowelt-Sprecherin dazu lediglich. Um wieder an Geld zu kommen, wurden zuletzt diverse Beteiligungen verkauft. Ott will mit den Sparten Lizenzhandel, Film- und Videoverleih das Kerngeschäft erhalten. Der Lizenzhandel ruht aber derzeit weitgehend, weil durch die Insolvenz viele Filmrechte an US-Studios zurückgefallen sind. Das Unternehmen ist Opfer einer verfehlten Expansionspolitik seines Gründers Michael Kölmel geworden, der 1999 überteuert Filmrechte in den USA einkaufte, die sich heute nicht mehr kostendeckend verwerten lassen.

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