Wirtschaft : Kinowelt: "Hinterher ist man immer klüger"

Herr Kölmel[warum sind die Verhandlungen mit]

Michael Kölmel ist Gründer und Vorstandschef der Kinowelt AG.

Herr Kölmel, warum sind die Verhandlungen mit den Banken gescheitert?

Die Verhandlungen mit den Banken sind nicht gescheitert. Wir haben mit einzelnen Banken sehr gute Ergebnisse erzielt. In diesem Prozess der Bankgespräche sind wir aber von der Kreditkündigung der ABN Amro Bank überrascht und überfahren worden. Gleichwohl bleiben wir mit den Banken weiter in Gesprächen. Es besteht ja auch die Möglichkeit, einen Insolvenzantrag zurückzunehmen, wenn sich Tatbestände ändern. Beispielsweise wenn ABN Amro die Kreditkündigung zurücknimmt, weil die Bank erkennt, dass die Kündigung ökonomisch für sie keinen Sinn macht.

Was wird von Kinowelt am Ende des Insolvenzverfahrens übrig bleiben?

Es besteht die Möglichkeit in einem vorläufigen Insolvenzverfahren eine Einigung mit den Gläubigern zu erzielen, so dass eine Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gar nicht notwendig sein muss. In diesem Fall würden von Kinowelt sicherlich die Kernbereiche Filmverleih, Home Entertainment und Lizenzhandel übrig bleiben.

Welche Fehler müssen Sie als Vorstand einräumen?

Mit Sicht von heute haben wir zu aggressiv versucht, in Deutschland in eine führende Position zu gelangen. Besonders der Kauf des Warner-Pakets war ambitioniert. Hinterher ist jeder klüger. 1998/1999 öffnete sich allerdings die einmalige Chance mit großem Abstand führender Independent in Deutschland zu werden. In Teilbereichen wie Home Entertainment ist uns das auch gelungen. Heute sind wir einer der bedeutendsten Anbieter in Deutschland mit Marktanteilen, die einige US-Majors nicht erreichen, und expandieren nach Europa. Im TV-Lizenzhandel haben wir unsere Ziele nicht erreicht. Doch es war 1998/1999 nicht erkennbar, dass beide großen Privatsenderfamilien, nicht mehr bei Kinowelt kaufen würden.

Fürchten Sie Schadenersatzklagen der Anleger?

Es gibt keinen Grund für Schadenersatzklagen. Der Vorstand und die Großaktionäre haben der Gesellschaft keine Mittel entzogen, um sich privat zu bereichern. Eher das Gegenteil ist der Fall. Wir haben noch zum Jahresende 2000 erhebliche Mittel in die Firma investiert. Wir haben nicht gegen das Gesetz verstoßen, wir haben keine Aktien in Sperrfristen verkauft. Wir haben genauso verloren, wie alle anderen Aktionäre auch. Und wir stehlen uns nicht aus der Verantwortung und versuchen alles Mögliche, um die Gesellschaft, die wir vor 17 Jahren gegründet haben auch weiter am Leben zu erhalten.

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