Wirtschaft : Kinowelt vor der Pleite

mot

Die Rettung der angeschlagenen Münchner Kinowelt Medien AG ist gescheitert. Nachdem die niederländische Bank ABN Amro am Montag Kredite über mehr als 100 Millionen Mark zum 28. November gekündigt hat, droht dem einstigen Börsenstar die Insolvenz. Sollten Verhandlungen mit den verbliebenen Gläubigerbanken scheitern, wird Kinowelt zahlungsunfähig. Die Aktie brach gegen einen freundlichen Markttrend am Neuen Markt um mehr als 30 Prozent auf 0,62 Euro ein.

"Kinowelt ist nicht in der Lage, diesen Betrag bis zum 28. November aufzubringen", teilte das Unternehmen am Montag mit. Zwar sei es dem Management gelungen, das Geschäft zu "straffen und einen hohen Cash-Flow vor Zins und Tilgung" zu erwirtschaften. Sollte es kurzfristig aber zu keiner Einigung mit ABN Amro kommen, werde Kinowelt "voraussichtlich - zum Schutz anderer Gläubiger - ein Insolvenzverfahren einleiten". Die Bank lehnte einen Kommentar ab.

Sprecher Jörg Lang schloss allerdings nicht aus, dass der fällige Kredit in letzter Minute doch noch verlängert oder von anderen Gläubigern übernommen wird. BHF-Bank und Hypo-Vereinsbank, neben den Niederländern größte Gläubiger von Kinowelt, hätten bislang ihre Kredite noch nicht gekündigt, sagte er. "Die Gefahr besteht aber." Angesichts der ausreichenden liquiden Mittel brauche Kinowelt kein frisches Geld, sondern "Ruhe an der Bankenfront." Kinowelt ist bei 24 Banken mit zusammen 400 Millionen Mark verschuldet.

BHF- und Hypo-Vereinsbank wollen erst abwarten, wie die Gespräche mit ABN Amro verlaufen und wie der Quartalsbericht ausfällt, den Kinowelt an diesem Freitag vorlegen wird. Für das erste Halbjahr vermeldete der Konzern im August einen Verlust vor Zinsen und Steuern von 161,9 Millionen Euro bei einem Umsatz von 118,6 Millionen Euro. Noch im April hatte Kinowelt einen Jahresumsatz von 700 Millionen Mark und einen Vorsteuergewinn von 110 Millionen Mark vorhergesagt. "Wir halten uns unser Vorgehen in den nächsten Tagen noch offen", sagte eine Hypo-Vereinsbank-Sprecherin. Sie schloss aus, dass ihr Haus den Kredit der Niederländer übernehmen werde. Auch die BHF-Bank, unter deren Dach dem Vernehmen nach eine Umschuldung für Kinowelt gescheitert war, hielt sich bedeckt: "Wir stehen weiter mit unseren Krediten zur Verfügung", sagte ein Sprecher des zur ING-Gruppe gehördenden Geldinstituts. "Sollte Kinowelt aber am Mittwoch Insolvenz anmelden müssen, ist auch unsere Kreditbeziehung beendet", fügte er hinzu.

Kinowelt drückt eine Schuldenlast von insgesamt 800 Millionen Mark, davon müssen Schätzungen zufolge kurzfristig gut 600 Millionen Mark zurückgezahlt werden. Die Banken waren bislang bereit, ihre Kreditlinien zu verlängern, hatten ihr Stillhalten aber von einem Sanierungskonzept des Vorstandes abhängig gemacht. Bis zuletzt hatte Kinowelt-Chef Michael Kölmel vergeblich versucht, den von ihm gegründeten Filmverleiher und Rechtehändler zu entschulden. Nach dem Verkauf von Beteiligungen, etwa von Multiplex-Kinos, und einer Konzentration auf das Kerngeschäft sollte das von 800 auf 100 Mitarbeiter geschrumpfte Unternehmen bis 2005 schuldenfrei sein.

"Jetzt kreisen über Kinowelt die Geier", kommentierte ein Analyst am Montag die Zuspitzung der Lage. Als Kölmels größtes Problem erweist sich ein 1999 für 300 Millionen Dollar erworbenes Film-Paket des Hollywood-Konzerns Warner Brothers. Dessen Vermarktung ist Kölmel nicht gelungen, weil er die beiden Fernseh-Größen RTL und Kirch beim Kauf ausgestochen hatte. Später weigerten sich die zu Kirch und RTL gehörenden TV-Sender, Filme aus dem Warner-Paket zu kaufen. Warner selbst blockierte zudem den Weiterverkauf eines Teils der Filme, weil Kinowelt keine Sicherheiten für die ausstehenden Ratenzahlungen vorweisen konnte. Verhandlungen Kölmels mit Warner über eine teilweise Rückabwicklung des Geschäfts blieben erfolglos. Zuletzt hatte er die Rechte am ersten Teil des Films "Herr der Ringe" verloren, der ab dem 19. Dezember in die Kinos kommt und einen Umsatz von 50 Millionen Markt einbringen sollte.

In Bankenkreisen wurde am Montag spekuliert, die ABN Amro Bank, die den Warner-Deal finanziert haben soll, wolle im Falle einer Kinowelt-Pleite selbst Teile der Warner-Rechte vermarkten. Sie sind, wie Kinowelt bestätigt, als Sicherheiten für den gekündigten Kredit unterlegt. "ABN Amro scheint zu erwarten, dass sie in einem Insolvenzverfahren eine höhere Rückführung ihrer Kredite erwarten könne", erklärte Kinowelt. Das Vorgehen widerspreche aber "allen ökonomischen Überlegungen", denn ein großer Teil der Kredite sei nicht besichert.

Analysten rechneten nicht mehr mit einer Rettung von Kinowelt. "Ich erwarte nicht, dass die Banken noch einmal ins Risiko gehen", sagte Harald Heider von der DG Bank. Das Geschäftsmodell sei gut gewesen, der Vorstand habe aber zu lange gegen den Markt an seinen Prognosen festgehalten.

Fußballklubs kaum betroffen

A.G. Etliche Millionen Mark hat Kinowelt-Chef Michael Kölmel in den vergangen Jahren in Fußballklubs investiert. Im Gegenzug haben ihm die Traditionsvereine einen Großteil ihrer Vermarktungsrechte abgetreten. So bewahrte Kölmel den Berliner Zweitligisten 1. FC Union vor vier Jahren vor dem Konkurs. Irgendwann will er sich das Geld zurückholen - durch Merchandising, Werbegelder und TV-Einnahmen. Die Sache hat nur einen Haken. Die Klubs spielen in der Regel in der Zweiten Liga, einige sind sogar drittklassig: Aachen, Mannheim, Leipzig, Karlsruhe, Essen. Und einige Vereine haben die Millionen schnell verprasst. Nun steht die Kinowelt vor dem Konkurs. Und die Fußballvereine? Ihnen droht kaum Gefahr, sagt Michael Meeske, der Sprecher der Sportwelt. "Die Klubs werden von der Sportwelt vermarktet, einem Tochterunternehmen, an dem die Kinowelt AG lediglich zehn Prozent der Anteile besitzt." Die Sportwelt sei ein "eigenständiges Modell", das einzige Problem sei die "namentliche Anlehnung". Die Verbindlichkeiten der Klubs gegenüber der Sportwelt bleiben denn auch bestehen. Sportwelt-Geschäftsführer Heinrich Brands sagt: "Wir haben auch keine Bürgerschaft für die Kinowelt hinterlegt." Insgesamt vermarktet die Sportwelt 14 Vereine. Geld bringt aber nur Borussia Mönchengladbach, der einzige Erstligist. Das Darlehen an den 1. FC Union, der im Europapokal rund zwei Millionen Mark an TV-Geldern eingenommen hat, beträgt schätzungsweise 16,7 Millionen Mark. Das Geld wollen die Köpenicker zurückzahlen, wenn sie in die Erste Liga aufgestiegen sind.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben