Wirtschaft : Kirch bereitet Abwehr gegen feindliche Übernahme vor

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Die Münchner Kirch-Gruppe bereitet sich offenbar ernsthaft auf die Abwehr eines feindlichen Übernahmeversuchs durch Rupert Murdochs australischen Medienkonzern NewsCorp vor. "Murdoch versucht seit acht Jahren, die Kontrolle bei Kirch zu übernehmen. So ernst wie jetzt war es noch nie", sagte ein Vertrauter des Unternehmens dem Tagesspiegel.

Die Kirch-Gruppe ist einer der größten Medienkonzerne Deutschlands. Dazu gehören die Fernsehsender Pro 7 und Sat 1, außerdem der Bezahlsender Premiere. Daneben besitzt die Kirch-Gruppe umfangreiche Film- und Übertragungsrechte, darunter die Rechte an der übertragung der Formel-1-Rennen und die Senderechte für die nächsten Fußballweltmeisterschaften im Jahr 2002 in Japan und Südkorea und im Jahr 2006 in Deutschland.

Das Unternehmen hat sich hoch verschuldet, um die Expansion finanzieren zu können. Da das Konglomerat, das von dem 75jährigen Unternehmensgründer Leo Kirch zusammen gehalten wird, größtenteils nicht an der Börse notiert ist, konzentriert sich Murdochs Übernahmeversuch offenbar auf die angespannte finanzielle Situation Kirchs. Murdoch besitzt 22 Prozent am Kirch-Bezahlsender Premiere World. Auf diese 22 Prozent hat er eine Put-Option, das heißt, er kann die Anteile bis zum nächsten Jahr an Kirch zurück verkaufen. Kirch müsste den Anteil wieder übernehmen - auch wenn ihm das Geld dazu fehlt. Mit diesem Argument versucht Murdoch nun offenbar die Gläubigerbanken Kirchs zu verunsichern.

Deutschland ist einer der größten Medienmärkte der Welt. Dass es bisher hier nicht zu nennenswerten feindlichen übernahmeversuchen kam, liegt vor allem an der komplizierten Medienaufsicht. Nun aber scheinen mit Murdoch und dem amerikanischen Medienunternehmer John Malone gleich zwei Interessenten aufzutauchen, die dasselbe Ziel verfolgen: einsteigen, und zwar bei den Inhalte-Eigentümern und im Vertrieb, also beim Kabelnetz. Malone hatte vor wenigen Wochen Gespräche über den Murdoch-Anteil an Premiere gestartet.

Kirch versucht offenbar, sich zu wehren, indem er Beteiligungen verkauft. Schon vor Wochen hatte Kirch-Spitzenmanager Dieter Hahn angedeutet, dass man sich von der Beteiligung am spanischen TV-Sender Telecinco trennen könne. Spekulationen, dass sich Kirch von seinem Anteil am Springer-Verlag ("Die Welt", "Bild") trennen könne, wiesen Kirch-Vertraute zurück. "Das wäre das Letzte", hieß es.

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