Wirtschaft : Kirch bleibt auf Konfrontationskurs mit Springer

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Die Kirch-Gruppe bleibt weiter auf Konfrontationskurs zum Axel-Springer-Konzern, an dem sie mit 40 Prozent beteiligt ist. Eine Feststellungsklage gegen den Verlag sei "in Vorbereitung", bekräftigte eine Kirch-Sprecherin am Montag. Kirch will damit juristisch klären lassen, ob Springer sich von seinen 11,5-Prozent an Pro Sieben Sat1 trennen kann, oder ob die zu Grunde liegende Verkaufs-Option rechtsunwirksam ist. Der Verlag hatte angekündigt, das Aktienpaket an Kirch zu verkaufen und dafür binnen drei Monaten 767 Millionen Euro zu verlangen. Kirch bestreitet, dass es zu einem rechtsverbindlichen Geschäft gekommen ist. "Wir bemühen uns gleichwohl, mit Springer wieder an einen Tisch zurückzukehren", sagte die Kirch-Sprecherin.

Als personalpolitisches Signal im Streit mit Springer darf die Berufung des ehemaligen Springer-Vorstands Claus Larass in die Geschäftsführung der Kirch-Gruppe verstanden werden. Der Ex-"Bild"-Chef Larass ist seit einem Jahr bei der Pro Sieben Sat1 Media AG Vorstand für Nachrichten, Informationen und politische Sendungen. Wie Kirch am Montag mitteilte, wird er nach der Fusion mit Kirch-Media im Sommer als Geschäftsführer für publizistische Inhalte in die Führung die Taurus-Holding wechseln - die Dachgesellschaft des Kirch-Konzerns.

Larass war bis Ende 2000 Zeitungsvorstand und stellvertretender Vorstandsvorsitzender im Springer-Konzern. Er galt lange als Nachfolger des damaligen Vorstandschefs Gus Fischer, überwarf sich aber mit der Verlegerin Friede Springer und Aufsichtsratschef Bernhard Servatius. Fischer favorisierte daraufhin Multimedia-Vorstand Mathias Döpfner, der seit Januar 2002 den Verlag führt. "Wir erwarten von ihm wichtige Impulse für die Positionierung unserer Sender", teilte Kirch-Vize Dieter Hahn am Montag mit. Larass werde die Kirch-Media AG bei der Entwicklung von journalistischen Inhalten und Formaten sowie bei Personalentscheidungen maßgeblich beraten. Zudem werde er den Abosender Premiere bei der Entwicklung interaktiver Nachrichtenkanäle unterstützen. "Darüber hinaus wird Claus Larass uns mit seinen Erfahrungen aber auch in anderen Bereichen sehr hilfreich sein können", fügte Hahn hinzu.

Gespräche mit Murdoch stocken

Unterdessen kommen die Gespräche zwischen der Kirch-Gruppe und dem Premiere-Großaktionär Rupert Murdoch nicht voran. Murdoch fällt eine Schlüsselrolle zu, weil er im Laufe dieses Jahres seine Beteiligung von 22 Prozent an Kirchs Bezahlsender entweder für 1,7 Milliarden Euro zurückverkaufen oder - so wird spekuliert - als Mehrheitsaktionär einsteigen kann. "Es sind keine weiteren Gespräche mit Murdoch zustande gekommen", sagte die Kirch-Sprecherin. "Wir konzentrieren uns auf die Auseinandersetzung mit Springer und die Fusion von Pro Sieben Sat1 und Kirch-Media." Der Börsengang der neuen Kirch-Media AG sei weiter für die Jahresmitte geplant. Nicht kommentieren wollte sie Berichte, wonach Murdoch eine Insolvenz seines Geschäftspartners Leo Kirch nicht mehr für ausgeschlossen hält.

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