Wirtschaft : Kirch darf auf Bayerische Landesbank hoffen

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Der Kreditausschuss der Bayerischen Landesbank hat am Dienstag nach Informationen des Tagesspiegel auf einer Krisensitzung über die Geschäftsbeziehungen zur Kirch-Gruppe beraten. Das Gremium, dessen Vorsitzender der bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser ist, will offenbar einen fälligen Großkredit an Kirch bis zum Jahresende verlängern. Eine Sprecherin der Landesbank dementierte zwar am Abend, es habe eine solche Sitzung gegeben. Dem Vernehmen nach will die BayernLB aber an diesem Mittwoch über Einzelheiten informieren. Der Kirch-Konzern schuldet der Bank knapp 2,2 Milliarden Euro.

Die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe war zuvor von Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Rolf E. Breuer öffentlich in Zweifel gezogen worden. "Was man alles lesen und hören kann ist, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, Kirch auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder Eigenmittel zur Verfügung zu stellen", hatte Breuer am Montagabend in New York in einem Interview mit Bloomberg TV gesagt. Jetzt müssten sich Dritte bei Kirch finanziell engagieren. Damit ging Breuer auch in seiner Funktion als Präsident des Bundesverbands deutscher Banken deutlich auf Distanz zu Kirch. Grafik: Kirchs Bankschulden Auf die Frage nach dem eigenen Engagement bei Kirch sagte der Banker, er fühle sich "relativ komfortabel". "Der Kredit, den wir haben, ist zahlenmäßig nicht einer der größten, sondern im mittleren Bereich. Er ist voll gesichert durch ein Pfandrecht auf Kirchs Aktienpaket am Springer-Verlag." Die Deutsche Bank ist nach Angaben aus Branchenkreisen mit rund 700 Millionen Euro bei Kirch engagiert. Zu Spekulationen, der Chef der Deutschen Bank habe jüngst mit Bundeskanzler Gerhard Schröder über Hilfen für Kirch gesprochen, erklärte Breuer einem Sprecher zufolge: "Dazu kann nur der Bundeskanzler etwas sagen."

"Breuers Äußerungen, die beispiellos in der deutschen Bankerszene sind, haben für helles Entsetzen gesorgt", sagte ein Beobachter am Dienstag dem Tagesspiegel. "Die größte deutsche Bank senkt den Daumen über Kirch." Dieser zeigte sich von den Aussagen des Bankenchefs verwundert. "Nach Ansicht der Kirch-Gruppe besteht kein Grund für solche Äußerungen", sagte ein Sprecher. Dresdner Bank, Bayerische Landesbank und Hypo-Vereinsbank, die zusammen mehr als 3,1 Milliarden Euro an die Kirch-Gruppe ausgeliehen haben, kommentierten Breuers Äußerungen nicht.

Sollten die Banken nicht mehr bereit sein, sich bei Kirch weiter zu engagieren, droht dem Konzern, der mit insgesamt rund sechs Milliarden Euro verschuldet ist, im Laufe dieses Jahres der finanzielle Notstand. Kirch streitet mit dem Springer-Verlag, an dem die Münchener zu 40 Prozent beteiligt sind, über die Rechtswirksamkeit einer Verkaufsoption. Unterliegt Kirch in diesem Streit, kann Springer seine Beteiligung an der Pro Sieben Sat1 Media AG bis Ende April für 767 Millionen Euro an Kirch verkaufen.

Unklar bleibt bislang auch, wie sich Kirch mit dem Medienunternehmer Rupert Murdoch einigen will, der seinen Anteil von 22 Prozent an Kirchs Bezahlsender Premiere World im Herbst für 1,7 Milliarden Euro zurückgeben kann. Kirch zufolge sind die Gespräche mit Murdoch ins Stocken geraten. Zuletzt war spekuliert worden, Murdoch werde einen größeren Teil von Premiere und Anteile an der Kirch-Media AG einfordern, um Kirch aus dem finanziellen Engpass zu helfen und sich selbst ins deutsche Fernsehgeschäft einzukaufen.

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet unter Berufung auf einen führenden Vertreter der rot-grünen Koalition, die Regierung favorisiere eine "nationale Lösung" und wolle Murdoch aus dem deutschen Medienmarkt heraushalten. Vorgesehen sei, den Kirch-Konzern aufzuspalten. "Niemand hat ein Interesse, Murdoch den roten Teppich auszurollen", zitiert die Zeitung den Vertreter der Regierungskoalition.

Pro Sieben Sat1 legte am Dienstag nach Börsenschluss die vorläufigen Zahlen für 2001 vor. Danach erzielte der Konzern einen Jahresüberschuss von 68 Millionen Euro - ein Rückgang um 27 Prozent gegenüber 2000. Der Konzernumsatz lag bei 2,015 Milliarden Euro (minus 6,5 Prozent).

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