Wirtschaft : Kirch denkt an größeren Premiere-Verkauf

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Die hoch verschuldete Kirch-Gruppe denkt darüber nach, einen größer als bisher angenommenen Anteil an ihrem defizitären Bezahl-Fernsehen Premiere World abzugeben. "Es ist nicht auszuschließen, dass wir einen Anteil abgeben, der größer ist als die von BSkyB gehaltene Beteiligung an Premiere", sagte Kirch-Geschäftsführer Dieter Hahn am Freitag dem Tagesspiegel. Der bevorzugte Partner für das deutsche Bezahl-Fernsehen bleibe aber der britische Pay-TV-Sender BSkyB des Medienunternehmers Rupert Murdoch. Premiere macht Hahn zufolge im laufenden Jahr einen Verlust von mehr als einer Milliarde Mark. Spekulationen über ein Minus von zwei Milliarden Mark seien nicht zutreffend. Insgesamt sei die Kirch-Gruppe mit elf bis zwölf Milliarden Mark verschuldet.

Murdoch hat das Recht, seinen Premiere-Anteil von 22 Prozent in der zweiten Jahreshälfte 2002 an Kirch für schätzungsweise 3,5 Milliarden Mark zurückgeben. Da Kirch nicht in der Lage ist die so genannte Put-Option zu bezahlen, sucht der Konzern nach Alternativen. "Wir werden in jedem Fall eine Partnerschaft finden, mit der wir in der Lage sind, dem Murdoch-Put zu begegnen", sagte Hahn. Wegen der Größenordnung des Deals, den Hahn als das "einzige problematische Thema" im kommenden Jahr bezeichnete, müsse Kirch schon in den nächsten Monaten wissen, wohin die Reise gehen solle. Bisher habe Murdoch der Kirch-Gruppe noch nicht erklärt, ob er bleiben oder Deutschland verlassen wolle. "Deshalb müssen wir nach Alternativen suchen", sagte Hahn. Der US-Konzern Liberty Media sei keine Alternative, weil Liberty zugleich Teile des Telekom-Kabels kaufen wolle. "Auf den kartellrechtlichen Streit können wir uns nicht einlassen." Grafik: Kirch-Media - Umsatz und Gewinn In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres verdiente die Kirch-Gruppe im Kerngeschäft weniger, im Handel mit Filmrechten konnte sie die Schwäche allerdings ausgleichen. Wenige Monate vor dem für Juli 2002 geplanten Börsengang der Kirch-Media, in der das Kerngeschäft der Gruppe gebündelt ist, macht sich die Krise im Fernseh-Werbegeschäft deutlich bemerkbar. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) sank in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres um neun Prozent auf 348,4 Millionen Mark (178,66 Millionen Euro). Dieser Negativtrend könnte sich Hahn zufolge auch im kommenden Jahr fortsetzen. Eine Erholung des zuletzt stark rückläufigen Werbemarktes sei erst in der zweiten jahreshälfte zu erwarten. Die erfolgreiche Vermarktung der Fußball-Rechte sowie ein florierender Filmrechtehandel glichen die Einbußen Hahn zufolge aber aus. Der Umsatz kletterte um sieben Prozent auf knapp 4,6 Milliarden Mark. Im Juni 2002 soll Kirch-Media mit der Pro Sieben Sat 1 Media AG verschmolzen und an die Börse gebracht werden. Hahn sagte, der Zeitpunkt der Fusion stehe fest. "Ob wir zugleich eine Kapitalerhöhung machen, wird von der Verfassung des Marktes abhängen."

Der Vorsteuergewinn der Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 brach in den ersten neun Monaten wegen der Werbeflaute um 50 Prozent ein. Die Sparte Free-TV, die aus den Sendern Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1, N24 und DSF besteht, erwirtschaftete mit 3,1 Milliarden Mark rund 67 Prozent des Konzernumsatzes, trug aber mit einem Ebitda von 218 Millionen Mark nur 46 Prozent zum operativen Ergebnis bei. Trotz eines Mitte Januar auslaufenden Millionenkredits der Dresdner Bank sieht sich Hahn beim geplanten Verkauf der Kirch-Beteiligung an dem spanischen Fernseh-Sender Telecinco nicht unter zeitlichem Druck. "Eine Wertvernichtung durch einen kurzfristigen Verkauf nützt keinem etwas." Es gebe bereits Gespräche mit Interessenten. "Telecinco wird verkauft, entweder kurzfristig oder in den nächsten drei Monaten."

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