Wirtschaft : Kirch- Gruppe: Kirch-Sender Premiere plant Erotik-Programm

Um mehr Abonnenten zu gewinnen, plant der Bezahlsender Premiere ein neues Angebot an Erotik-Filmen. "Der Zuschauer sieht drei oder vier Erotik-Filme gleichzeitig und kann sogar zwischen ihnen hin- und herschalten", sagte der neue Premiere-Chef Georg Kofler dem "Focus". Um die Verluste des Senders zu verringern, will Kirch außerdem die Zahlungen an die Fußball-Bundesliga zurückfahren.

Die Milliardeninvestitionen in Premiere gelten als Hauptgrund für die finanzielle Notlage des Kirch-Konzerns. Die Größenordnung von vier Milliarden Euro Investitionen ist nach Darstellung von Kirch-Vize Dieter Hahn nicht falsch. Trotzdem will Kirch das Bezahlfernsehen nicht aufgeben. "Das Ziel ist ein voll integriertes, audiovisuelles Unternehmen." Von der Formel Eins will sich die Kirch-Gruppe nach den Worten von Hahn nur als letzte Alternative trennen. Anders als die Anteile am Axel Springer Verlag und dem spanischen Fernsehsender Telecinco, die Kirch verkaufen wird, gehöre die Formel Eins zur Grundidee des Hauses. "Es würde uns wirklich wehtun, wenn wir die Formel Eins abgeben müssten", sagte Hahn in einem Interview mit dem Spiegel.

Nach Informationen der "Welt am Sonntag" will auch der angeschlagene Medienkonzern EM.TV seine knapp 17-prozentige Formel-Eins-Beteiligung in Kürze an die Kirch-Gruppe verkaufen. Im Gegenzug solle EM.TV die übrigen 50 Prozent an dem Kinderfilmrechtehandel Junior von Kirch erhalten. Vor der geplanten Fusion des Fernsehkonzerns ProSieben SAT.1 mit der KirchMedia müsse mit den Autoherstellern eine Lösung für die Formel Eins gefunden sein, sagte Hahn. Falls es keine Einigung gebe, werde die Formel Eins nicht Teil der neuen Gesellschaft sein. Außerdem müsse vor der Fusion die Kapital- und Eigentümerstruktur von Premiere geklärt sein. Kirch hatte am Freitag bekannt gegeben, dass der Zeitplan für den Börsengang nicht eingehalten werden kann.

Nach den Äußerungen von Deutsche Bank-Chef Breuer arbeiten die Kirch-Anwälte laut "Focus" bereits an einer Beschwerde an das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen. Breuer hatte die Kreditwürdigkeit Kirchs öffentlich in Frage gestellt und die Gruppe damit noch stärker unter Druck gesetzt. "Um es vorsichtig auszudrücken: Wir fanden seine Äußerung in höchstem Maße ungewöhnlich", sagte Hahn in dem "Spiegel"-Interview. Hypo-Vereinsbank-Chef Albrecht Schmidt war Kirch aber zu Hilfe geeilt und hatte ihm durch ein Kaufangebot für das Springer-Paket wieder Luft verschafft. Seit dieser Offerte arbeiten acht Gläubigerbanken gemeinsam an einer Lösung für Kirch. Auch für sie steht viel auf dem Spiel. Die Bankenaufsicht prüft nach dem Bericht der "Welt am Sonntag" bereits zum zweiten Mal, ob die Gläubigerbanken wegen des möglichen Verlustes ihrer Kredite ausreichend Wertberichtigungen in ihren Bilanzen vorgenommen haben.

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