Wirtschaft : Kirch-Gruppe: Leo Kirch will Millionen für seinen Ausstieg

tmh

Medienkaufmann Leo Kirch will sich seinen vollständigen Rückzug aus seiner Kerngesellschaft Kirch Media mit einer hohen Summe bezahlen lassen. Der 75-jährige Konzerngründer fordere für die Aufgabe der Macht eine Gewinnbeteiligung aus dem Verkauf der TV-Rechte für die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland, sagen Insider. Spekuliert wird über eine Summe von 200 Millionen Euro.

"Das ist natürlich zu viel," kommentieren Vertreter von Gläubigerbanken, die mit Kirch-Managern seit Wochen über eine Sanierung der maroden Gruppe verhandeln. Kirch will angeblich bis zu 70 Prozent der Verkaufserlöse für die deutschsprachigen WM-Rechte und eine Provision für die weltweite Ausstrahlung der 64 Spiele. Für die Deutschland-Rechte, für die öffentlich-rechtliche Sender eine Kaufoption besitzen, ist angeblich eine Summe von 250 Millionen Euro im Gespräch. In anderen Ländern hat Kirch die TV-Rechte bereits weiterverkauft und dafür schon die 1,2 Milliarden Euro eingenommen, die er seinerseits an den Weltfußballverband dafür bezahlt hatte.

An einem Minderheitsanteil oder einem repräsentativen Posten zeige der 75-jährige dagegen kein Interesse, heißt es. "Kirch will sich Rosinen sichern," sagte ein Insider. Grundsätzlich seien die Banken auch bereit, ihn auszubezahlen. Man müsse Kirch eine Brücke bauen. Deshalb kreisen die Krisengespräche derzeit um die genauen Konditionen des Kirch-Ausstiegs, aber auch um die künftige Verteilung der Macht im schwer angeschlagenen Medienimperium. "Gefechtslage" sei derzeit, dass bisherige Minderheitsgesellschafter bei Kirch Media per Kapitalerhöhung das Ruder übernehmen, hieß es aus Verhandlungskreisen. Banken sollen sich nur mit einem Minderheitenanteil von einem Viertel bis einem Drittel beteiligen und Kirch selbst völlig aussteigen. Dieses Verhältnis sei aber noch umstritten und könne sich jeden Tag ändern, warnen Insider.

Unstrittig ist derzeit nur der Komplettrückzug Kirchs. Der hält zusammen mit seinem Sohn Thomas derzeit knapp vier Fünftel an Kirch Media, seiner Dachgesellschaft für Rechtehandel, Filmproduktion und werbefinanziertes Fernsehen. Der Rest liegt bei mehreren Mitgesellschaftern, nämlich Medienunternehmer Rupert Murdoch, Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi, der Handelsgruppe Rewe und drei reinen Finanzinvestoren. Vor allem in Murdoch sehen viele Beobachter den kommenden starken Mann im profitablen Teilkonzern Kirchs. In den jetzigen Gesprächen, bei denen Berlusconis Vertreter als Verhandlungsführer der sechs Mitgesellschafter auftreten, habe Murdoch aber noch nicht auf eine Führungsrolle gepocht, heißt es aus Verhandlungskreisen. Branchenkenner werten das aber nur als taktische Zurückhaltung Murdochs. Verhandelt wird dem Vernehmen nach auch um einen Forderungsverzicht der Banken, den die sechs Investoren bei einer mehrheitlichen Übernahme von Kirch-Media erreichen wollen.

Die Kirch-Gruppe ist mit mindestens 6,5 Milliarden Euro bei Kreditinstituten verschuldet. Vier der insgesamt acht betroffenen Banken planen derzeit mit den sechs Investoren eine Kapitalerhöhung im Umfang von 800 Millionen Euro bei Kirch Media, um die Gruppe mit einer dringend nötigen Finanzsspritze zu versorgen. Weil in den kommenden Tagen und Wochen umfangreiche Zahlungsverpflichtungen der Kirch-Gruppe fällig werden, sehen manche Verhandlungspartner die Not zu rascher Einigung noch diese Woche. Andere sprechen von künstlich erzeugtem Druck und halten eine Lösung angesichts des vielfältigen Interessengeflechts vor Ostern für fraglich.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben