Wirtschaft : Kirch-Gruppe macht sich für Anleger schön

CASPAR BUSSE (HB)

MÜNCHEN .In der Firmenzentrale des Medienunternehmers Leo Kirch in Ismaning bei München herrscht hektische Betriebsamkeit.Schon bald soll die Umstrukturierung der weitverzweigten Gruppe präsentiert werden.Bis dahin müssen die vielen Töchter und Beteiligungen der Kirch-Gruppe in zwei Holdinggesellschaften konzentriert werden.Das gilt auch als Voraussetzung für die geplante Öffnung für externe Kapitalgeber.Die Verhandlungen sind offenbar in der heißen Phase.Über die Einzelheiten der Umstrukturierung informiert die Gruppe bröckchenweise.Bisher ist bekannt: Es sollen zwei Holdinggesellschaften, eine für die Pay-TV-Aktivitäten und eine für das Kerngeschäft, gebildet werden.Darüber soll eine Stiftung als Dachgesellschaft eingesetzt werden.Bereits verkündet ist die Schaffung einer separaten Holding, die die gesamten Aktivitäten im Bezahl-Fernsehen zusammenfaßt.Dazu gehören unter anderem der Pay-TV-Sender DF 1, die 40-Prozent-Beteiligung am Schweizer Teleclub sowie das hochmoderne digitale Sendezentrum Beta-Digital in Unterföhring.Designierter Geschäftsführer der Holding, die in der Rechtsform einer KG geplant wird, ist Markus Tellenbach, zuvor Geschäftsführer bei Vox.

Das eigentliche Kerngeschäft der Kirch-Gruppe, in erster Linie der Film- und Rechtehandel sowie die Produktion von Filmen und die Beteiligungen an den privaten Fernsehsendern Sat 1 und Deutsches Sport-Fernsehen (DSF), soll in einer zweiten Gruppe, der sogenannten Taurus-Holding, gebündelt werden.Die neue Struktur gilt als Voraussetzung für den Einstieg internationaler Medienkonzerne und damit auch für die Zuführung neuen Kapitals.Im Gespräch sind seit längerem die italienische Mediaset SpA, die zum Einflußbereich von Silvio Berlusconi gehört, die News Corp.von Rupert Murdoch sowie der saudische Prinz Al Waleed.

In einem Bericht des Magazins "Focus" hatte es am Wochenende geheißen, daß Murdoch mit rund 1,68 Mrd.DM und Al Waleed mit 350 bis 450 Mill.Dollar bei Taurus einsteigen wollen.Fininvest werde im Rahmen einer Überkreuz-Beteiligung 13 Prozent an Mediaset gegen Anteile an der Kirch-Holding tauschen.Das Kapital von Taurus solle schließlich um vier bis fünf Mrd.DM aufgestockt werden, ein Börsengang sei bereits 1999 möglich.Kirch wolle aber auf jeden Fall die Mehrheit behalten.Ein Sprecher der Kirch-Gruppe lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab.Bislang war ein Going Public von Teilen des Imperiums erst in zwei oder drei Jahren erwartet worden.Mediaset-Chef Fedele Confalonieri hatte in den letzten Tagen davon gesprochen, daß die Verhandlungen über den Einstieg kurz vor dem Abschluß stünden.Nach den jüngsten Berichten wollten sich die Verantwortlichen am Montag in Mailand treffen, um letzte Einzelheiten zu klären.

Unklar ist die Zukunft der Pay-TV-Aktivitäten, die bisher für Milliardenverluste gesorgt haben.Zum einen hat Kirch den digitalen Sender DF 1 aufgebaut, zum anderen ist er mit 25 Prozent an Premiere beteiligt.Die übrigen Anteile des Hamburger Pay-TV-Senders halten die luxemburgische CLT-Ufa (37,5 Prozent) und Canal Plus (37,5 Prozent).Der französische Pay-TV-Anbieter will bei Premiere aussteigen, die Anteile sind geparkt.Das Bundeskartellamt hatte zuletzt die geplante Aufstockung von Kirch und Bertelsmann auf jeweils 50 Prozent an Premiere aus wettbewerbspolitischen Bedenken gestoppt.Im Frühjahr hatte bereits die EU-Kommission den Zusammenschluß von DF 1, DSF und Premiere untersagt.

Die künftige Strategie der beiden Medienkonzerne beim Pay-TV ist offen.Premiere muß in die Digitalisierung des Senders investieren und hat derzeit rund 1,7 Millionen Abonnenten.Das Geschäft entwickelt sich nicht so dynamisch wie erhofft.Auch DF 1 läuft nur zäh an, erst in jüngster Zeit konnte die Abonnentenzahl deutlicher erhöht werden.Rund 250 000 Kunden sollen es nun sein.Mitte Dezember hat DF 1, seit 1996 auf Sendung, die bundesweite Zulassung beantragt.Der Kaptialbedarf für das Pay-TV-Geschäft ist hoch.Spekulationen gibt es immer wieder auch darüber, Kirch könnte sich deshalb von einem Teil seines Pakets an der Axel Springer Verlag AG trennen; Kirch hält etwa 40 Prozent.Doch ein überraschender Deal hat der hoch verschuldeten Kirch-Gruppe erstmal Luft verschafft: Rund eine halbe Mrd.DM hat ein Joint-venture mit der EM.TV Merchandising AG in die Kassen gespült.Der Filmhändler bringt die Rechte an rund 20 000 Episoden aus Kinderserien ein.EM.TV muß für den Einstieg rund 500 Mill.DM ausgeben.Das nötige Kleingeld dafür hat sich EM.TV an der Börse über eine Kapitalerhöhung geholt.Ein genialer Schachzug von Kirch, loben Brancheninsider.Diese Rechte wären sonst kaum über die Börse zu verkaufen gewesen.EM.TV-Chef Thomas Haffa, ein früherer Kirch-Mitarbeiter, betont hingegen ausdrücklich, er sei "kein Strohmann Kirchs".

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