Wirtschaft : Kirch-Gruppe soll aufgeteilt werden

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Rupert Murdoch erhöht den Druck auf die angeschlagene Kirch-Gruppe. Der australische Medientycoon, der 22 Prozent an Kirchs Bezahlsender Premiere hält, kündigte am Freitag an, er werde aus Premiere aussteigen und im Herbst 1,6 Milliarden Euro dafür verlangen. Kirch kann diese Summe nicht aufbringen. In Berlin verdichteten sich unterdessen Hinweise auf ein gemeinsames Vorgehen von Politik, Banken und Medien zur Aufspaltung der Kirch-Gruppe.

Die Bundesregierung dementierte zwar neue Berichte, wonach sich Bundeskanzler Gerhard Schröder bei Geheimgesprächen für eine nationale Lösung der Kirch-Probleme eingesetzt habe. "Die Bundesregierung ist kein Akteur und der Bundeskanzler auch nicht", sagte Regierungssprecher Uwe-Carsten Heye. Informierte Kreise bestätigten allerdings, dass es Gespräche zwischen dem Kanzler, Deutsche-Bank-Chef Rolf E. Breuer, dem Miteigentümer der Zeitungs-Gruppe WAZ, Erich Schumann, sowie Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff gegeben habe. Nach Informationen des Tagesspiegels haben sich die Beteiligten am 27. Januar in der Gaststätte "Wichmann" in Hannover getroffen, um einen "Masterplan" zur Lösung der Kirch-Krise zu diskutieren. Weder Bertelsmann noch die WAZ-Gruppe wollten dies am Freitag kommentieren. Der Kurs der ProSiebenSat 1-Aktie sprang bis zum Abend um 18 Prozent auf 6,6 Euro.

"Dieses Treffen hat stattgefunden", sagte ein mit den Verhandlungen Vertrauter dem Tagesspiegel. Es sei in den Gesprächen vor allem um Maßnahmen gegangen, wie im Wahljahr 2002 große Veränderungen der deutschen Medienlandschaft verhindert werden können. So sei vor allem dem Kanzler daran gelegen, dass Rupert Murdoch keinen Einfluss auf die Kirch-Gruppe und möglicherweise auf den Springer-Verlag, an dem Kirch noch 40 Prozent hält, ausüben könne. "Murdoch soll aus Deutschland herausgehalten, Kirch aufgeteilt und Kanzlerkandidat Edmund Stoiber in Misskredit gebracht werden", sagte der Beobachter. Kirch solle der Vereinbarung zufolge zwar Unternehmer bleiben, aber künftig nur noch Minderheitsgesellschafter sein. Seine Fernsehfamilie mit Pro Sieben, Sat 1 und dem Sportprogramm DSF müsse dabei aus kartellrechtlichen Gründen an verschiedene Anbieter verkauft werden - darunter auch Bertelsmann-RTL. Sollte der Kirch-Anteil am Springer-Verlag zum Verkauf stehen, wolle die WAZ-Gruppe einsteigen.

Murdochs Strategie

Rupert Murdoch äußerte sich am Freitag erstmals deutlich zu seinen Plänen bei der Kirch-Gruppe. Angesichts der wirtschaftlichen Lage Kirchs schrieb die BSkyB-Gruppe, über die Murdoch an Premiere World beteiligt ist, den Wert ihrer Beteiligung an dem defizitären Bezahlsender voll ab. Das britische Unternehmen bezweifle, dass Kirchs Dachgesellschaft - die künftige Taurus-Holding - BSkyB zum vereinbarten Preis ausbezahlen könne, hieß es. BSkyB sei "nicht in der Lage einen befriedigenden Nachweis darüber zu erlangen, dass die Mittel der Taurus Holding ausreichen, die Verkaufsoption (siehe Lexikon) zu erfüllen, wenn diese geltend gemacht wird", teilte die Unternehmensführung mit. Deshalb habe sich BSkyB vorsorglich für eine Komplettabschreibung des Premiere-Pakets entschieden. Murdoch selbst, dem noch zuletzt ein Interesse an der Übernahme der Kirch-Gruppe nachgesagt worden war, distanzierte sich in dem "Financial Times"-Interview von einem Engagement: "Ich weiß nicht, wie wir unsere Beziehung weiterführen sollen, ohne noch mehr Geld hineinzustecken. Dazu aber sind wir nicht bereit."

Hinter der öffenlichen Distanzierung Murdochs von Geschäftspartner Kirch vermuten Brachenvertreter allerdings strategisches Kalkül. "Murdoch versucht, die Kirch-Banken zu destabilisieren", sagte ein Beobachter. Er spekuliere darauf, dass Kirch von seinen Gläubigern gezwungen werden, Teile seines Konzerns zu verkaufen. "Und am Ende wird etwas davon doch bei Murdoch landen." Zum Beispiel das Bezahlfernsehen Premiere. Eine Sprecherin der Kirch-Gruppe bestätigte nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen", dass Murdoch zurzeit mit Wirtschaftsprüfern Premiere World durchleuchten lasse. Eine solche Maßnahme dient in der Regel zur Festlegung eines Preise im Fall einer Übernahme.

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