Wirtschaft : Kirch herrscht allein übers Pay-TV

BERLIN (dw).Das deutsche Bezahl-Fernsehen ist nun vollständig in der Hand der Kirch-Gruppe.Das Bundeskartellamt genehmigte am Mittwoch die Übernahme des Pay-TV-Senders Premiere durch den Münchner Medien-Unternehmer.Die Begründung der Wettbewerbshüter klingt paradox: Obwohl Premiere durch die Fusion mit dem Kirch-Sender DF 1 zum Monopol-Unternehmen wird, führe der Zusammenschluß "per saldo zu einer Verbesserung der Wettbewerbsbedingungen auf dem deutschen Fernseh-Markt", sagte Kartellamtspräsident Dieter Wolf.

Nach der Entscheidung des Kartellamtes kann Leo Kirch sein Vorhaben wahrmachen und von den früheren Partnern CLT/Ufa (Bertelsmann) und Canal Plus weitere Premiere-Anteile übernehmen.Nach der Neuordnung wird Kirch 95 Prozent an Premiere halten, Bertelsmann nur noch fünf Prozent.Das Bundeskartellamt räumte ein, daß es "zu einer gewissen Verstärkung der marktbeherrschenden Stellung" komme, wenn Premiere mit dem zweiten deutschen Pay-TV-Kanal DF 1 verschmilzt.Dennoch tue es dem Wettbewerb auf dem gesamten Fernseh-Markt eher gut, wenn sich CLT/Ufa und Canal Plus aus dem Pay-TV-Geschäft zurückziehen.Die Kirch-Gruppe begrüßte die Entscheidung."Jetzt ist der Weg frei für den zügigen Ausbau des digitalen Abonnementfernsehens in Deutschland", sagte der zuständige Kirch-Geschäftsführer Klaus Piette.

Das Bundeskartellamt begründete seine Auffassung damit, daß sich Programmabsprachen im Pay-TV nicht von Absprachen im allgemein zugänglichen "Free-TV" hätten trennen lassen.Durch den Rückzug der Bertelsmann-Halbtochter CLT/Ufa aus der Premiere-Beteiligung würden die Querverflechtungen zwischen den beiden größten Fernsehanbietern in Deutschland beendet, sagt die Wettbewerbsbehörde."CLT/Ufa und Canal Plus können jetzt eine von den Interessen der Kirch-Gruppe losgelöste, eigene Unternehmenspolitik auf dem deutschen Fernsehmarkt betreiben", so Kartellamtschef Wolf.Vor allem Bertelsmann werde sich jetzt stärker auf den Ausbau der eigenen Free-TV-Sender Super-RTL und RTL 2 konzentrieren - und damit den Wettbewerbsdruck auf Kirchs Pay-TV erhöhen.

Daß es in der Konsequenz zunächst nur einen Monopol-Anbieter für Pay-TV in Deutschland geben wird, hält Wolf für wenig problematisch: "Bei neuen Technologien und Märkten ist es nicht ungewöhnlich, daß es nur einen einzigen Anbieter gibt." Entscheidend sei vielmehr, daß künftig neue Anbieter eine faire Chance auf Marktzutritt haben.Bertelsmann, Canal Plus aber auch der britische Medien-Unternehmer Murdoch hätten bereits signalisiert, daß der Pay-TV-Markt für sie mittel- bis langfristig wieder interessant werden könnte.

Das Kartellamt habe außerdem berücksichtigt, daß Pay-TV neben dem normalen Fernsehen eine relativ geringe Rolle spiele.Auf das Free-TV entfallen derzeit 94 Prozent der Gesamteinnahmen im deutschen Fernsehmarkt in Höhe von etwa 16 Mrd.DM.Dem stünden Abo-Erlöse von nur 950 Mill.DM im Pay-TV gegenüber.Da Deutschland über das weltweit dichteste Kabelnetz verfüge, könne die Mehrzahl der Haushalte für eine monatliche Gebühr von rund 30 DM gut 30 Fernsehprogramme nutzen.Er gehe davon aus, daß zunächst nur eine Minderheit der Haushalte monatliche Kosten von bis zu 100 DM in Kauf nehmen wolle, um zusätzliche Pay-TV-Programme zu sehen, sagte Wolf.

Bertelsmann und Kirch wollten bereits früher im digitalen Bezahl-Fernsehen zusammenarbeiten.Nach Differenzen um strategische Ziele scherte Kirch 1996 aus der geplanten Kooperation aus und gründete seinen eigenen Pay-TV-Sender DF 1.Im Jahr darauf beantragten beide Konzerne jedoch die Fusion von DF 1 und Premiere bei der Europäischen Union - was diese im Mai 1998 ablehnte.Daraufhin wollten Kirch und Bertelsmann den Sender Premiere 50:50 unter sich aufteilen, wobei Canal Plus als Anteilseigner ausscheiden sollte.Das Bundeskartellamt untersagte auch dies.Mit Hilfe des saudi-arabischen Milliardärs Prinz Al Walid und des italienischen Medienunternehmers Berlusconi beschaffte sich Kirch nun kürzlich die Mittel, mit denen er Bertelsmann ausbezahlen kann.

Mit der Zustimmung des Bundeskartellamtes ist die Fusion von DF 1 mit Premiere noch nicht ganz in trockenen Tüchern.Kirch muß eine weitere Hürde nehmen: Die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (Kek) in Potsdam muß den Zusammenschluß jetzt noch daraufhin überprüfen, ob er die Meinungsvielfalt in der deutschen Medienlandschaft gefährden würde.Die Prüfung könnte einige Wochen in Anspruch nehmen.

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