Wirtschaft : Kirch Media: Käufer kommen aus der Deckung Konsortium um die WAZ-Gruppe will ein Gebot abgeben

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München (fo/tmh). Für die insolvente Kirch Media melden sich immer mehr Interessenten. Dazu zählen jetzt auch der Hamburger Bauer-Verlag und die französische Senderfamilie TF1. Noch sind die Vorstellungen aber nicht konkret. Die Commerzbank hat sich unterdessen mit der Zeitungsgruppe WAZ und dem US-Studio Columbia Tristar auf Eckpunkte für ein Bieterkonsortium zur Übernahme der Kirch Media verständigt. Commerzbank-Vorstand Wolfgang Hartmann habe sich am Donnerstag mit WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach und Columbia-Europachef John McMahon in Köln geeinigt, teilte ein Commerzbank-Sprecher am Freitag mit. Nach der vorläufigen Übereinkunft würden die WAZ und das Kreditinstitut jeweils 40 Prozent der KirchMedia übernehmen, das zum Sony-Konzern gehörende Columbia Tristar 20 Prozent.

Ein späterer Börsengang wird nicht ausgeschlossen. Allerdings ist dies nach Angaben aus Verlagskreisen ein strittiger Punkt mit der WAZ, die eine GmbH präferiere. Nur so lasse sich aber ein Marktpreis bei Verkauf von Anteilen erzielen, heißt es bei der Commerzbank. Denn das eigene Paket soll mittelfristig auf 25 Prozent reduziert werden.

Den Wert für das im April in die Insolvenz gegangene frühere Herzstück des Kirch-Konzerns bezifferte der Commerzbank-Sprecher auf 1,8 Milliarden bis 2,5 Milliarden Euro. Ein formelles Angebot soll trotz der Verständigung aber erst in ein paar Wochen gemacht werden. Wenn das Insolvenzverfahren über Kirch Media wie erwartet Anfang nächster Woche vom Gericht eröffnet wird, könnten die Gläubiger etwa Ende Juli über die bis dahin vorliegenden Angebote entscheiden. Das WAZ-Konsortium gilt als aussichtsreicher Kandidat.

Eingegangen ist ein Angebot für die werbefinanzierten Sender Pro Sieben, Sat 1 und Kabel 1 sowie die Sparte Rechtehandel beim Kirch- Saniererteam um Wolfgang van Betteray aber noch nicht, berichten Unternehmenskreise. Kirch Media selbst „äußerst sich derzeit nicht zu Verhandlungen, Interessenten oder Preisvorstellungen. Van Betteray wolle den lukrativen Kern der Kirch Media mindestens für vier Milliarden Euro verkaufen, hatte es zuletzt geheißen. Diese Vorstellungen liegen damit deutlich über denen des Bieterkonsortiums.

Ein ernsthafter Konkurrent ist bislang nicht in Sicht. Zudem gibt sich das Konsortium offen für weitere Partner wie den italienischen Staatspräsident und Kirch-Altgesellschafter Silvio Berlusconi oder das italienische Kreditinstitut Mediobanca.

Offen ist, was mit den Teilen der heutigen Kirch Media geschieht, die nicht in die neue Gesellschaft übernommen werden. Das könnte unter anderem das Deutsche Sport Fernsehen (DSF) treffen, aber auch große Teile der Filmproduktionsfirmen und damit viele Arbeitsplätze.

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