Wirtschaft : Kirch-Media verschiebt Börsenpläne

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Die Kirch-Gruppe hat ihre für Juni angekündigte Börsennotierung auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Pro Sieben Sat 1 Media AG, die mit der Kirch-Media verschmolzen werden sollte, teilte am Freitag mit, der bisher vorgesehe Zeitplan werde korrigiert. Die Fusion bleibe gleichwohl "für beide die strategisch sinnvollste Lösung". Unterdessen bereitet sich der australische Medienunternehmer Rupert Murdoch nach Tagesspiegel-Informationen auf einen baldigen Einstieg in den deutschen Fernsehmarkt vor.

Vorstand und Aufsichtsrat der Pro Sieben Sat 1 planen, den Aktionären der Gesellschaft die Umwandlung der Vorzugsaktien in Stammaktien vorzuschlagen. In der Pflichtmitteilung räumt die zur Kirch-Gruppe gehörende Sendergruppe erstmals ein, dass der Konzern vor gravierenden Veränderungen steht. So werde eine "stabile Lösung für die Eigentümerstruktur und Finanzierung der Pay-TV-Plattform Premiere" gesucht. Die Verhandlungen über den Verkauf der Beteiligung Kirchs an dem spanischen Free-TV-Sender Telecinco befänden sich in einem "fortgeschrittenen Stadium" und sollen in Kürze abgeschlossen werden.

Zum ersten Mal wird auch der Verkauf der rund 40-prozentigen Beteiligung an der Axel Springer Verlag AG angekündigt. "Der Kirch-Gruppe liegen attraktive Angebote von Finanzinvestoren vor, entsprechende Gespräche werden zur Zeit geführt", heißt es in der Ad-hoc-Mitteilung. Die Formel 1-Beteilung Kirchs soll nur dann Bestandteil des fusionierten Unternehmens sein, "wenn zuvor eine zufriedenstellende Lösung mit den Rennsportteams und den involvierten Automobilherstellern gefunden worden ist".

Murdoch nimmt TV-Markt ins Visier

Hinter der von Kirch erhofften "stabilen Lösung" für Premiere könnte der Medienunternehmer Rupert Murdoch stehen. Sein britischer Pay-TV-Sender BSkyB, der gut 22 Prozent an Kirchs defizitärem Bezahlfernsehen Premiere World hält, lässt nach Informationen des Tagesspiegel derzeit den deutschen Markt für das Abonnement-Fernsehen analysieren. Die von einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft im BSkyB-Auftrag erstellte Studie bereite einen möglichen Markteintritt "in drei bis vier Wochen" vor, sagten Beteiligte am Freitag. Anders als von Murdoch kürzlich behauptet, wolle sich der Unternehmer nicht aus Deutschland zurückziehen. "Es ist noch nichts gestoppt."

Öffentlich hatte Murdoch weitere Investitionen in die Kirch-Gruppe ausgeschlossen und angekündigt, er habe kein Interesse mehr an Premiere und werde seine Investitionen in Höhe von mindestens 1,7 Milliarden Euro im Oktober zurückfordern. BSkyB hat die Premiere-Beteiligung in seiner Bilanz bereits abgeschrieben. Da Kirch die Summe nicht aufbringen kann, könnte Murdoch einen Tausch vorschlagen, der ihn zum Eigentümer von Premiere macht. Murdochs aggressives Geschäftsgebahren war in der deutschen Öffentlichkeit auf Ablehnung gestoßen. Dem Vernehmen nach soll der Unternehmer in dieser Woche deshalb mit Bundeskanzler Gerhard Schröder zusammen gekommen sein, um die Verstimmung auszuräumen und mit Schröder über die Probleme der Kirch-Gruppe zu sprechen.

Nicht ausgeschlossen wird, dass Murdoch auch in den Besitz von Teilen des werbefinanzierten Kirch-Senders Pro Sieben Sat 1 gelangt, wenn Kirch nicht für die Rückabwicklung des Premiere-Deals zahlen kann. Ein solches Geschäft ist nach der abgesagten Fusion von Kirch-Media und Pro Sieben Sat 1 wahrscheinlicher geworden.

Die Fusion der im M-Dax notierten Pro-Sieben-Gruppe mit Kirch-Media wäre nötig gewesen, um die Kirch-Gruppe an der Börse zu notieren. Kommt es nicht zu diesem Börsengang, haben außenstehende Gesellschafter von Kirch-Media wie die US-Investmentbank Lehman Brothers oder der saudische Prinz Al Waleed das Recht, ihre Anteile wieder abzugeben. Für den Rückkauf der Beteiligungen, die Kirch 1999 verkaufte, müsste der Konzern schätzungsweise 835 Millionen Euro aufbringen. Als neuer Großaktionär könnte Murdoch in Frage kommen, der schon 2,48 Prozent an Kirch-Media hält.

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