Wirtschaft : Kirch muss Springer-Anteile verkaufen

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Die Kirch-Gruppe bereitet sich offenbar auf einen Verkauf ihrer 40-Prozent-Beteiligung am Springer-Verlag vor. Nach Informationen des Tagesspiegel soll das an die Deutsche Bank verpfändete Paket zwischen den Springer-Eigentümern und Finanzinvestoren aufgeteilt werden. Die WAZ-Gruppe oder der Medienunternehmer Rupert Murdoch kämen nicht zum Zuge. Der Wert des Anteils wird auf bis zu eine Milliarde Euro geschätzt.

Das Modell, über das die Beteiligten dem Vernehmen nach am Wochenende verhandelt haben, sieht offenbar folgende Verteilung der Anteile vor: Die Axel Springer AG macht von ihrem Recht Gebrauch, bis zu zehn Prozent ihrer Aktien zurückzukaufen. Verlegerin Friede Springer, die derzeit 50 Prozent plus elf Aktien am Verlag hält, würde ebenfalls wie angekündigt um "einige Prozente" aufstocken, der Rest - rund 25 Prozent - ginge an einen Finanzinvestor. Das wären eine Bank oder ein Medienfonds. Denkbar sei aber auch, dass die Aktien am Markt platziert würden, hieß es am Montag aus dem Springer-Konzern. Eine strategische Beteiligung Dritter wäre damit ausgeschlossen. Diese Lösung wird bei Springer als die "sympathischste" favorisiert. Kirch-Sprecher Hartmut Schultz wollte die Spekulationen nicht kommentieren.

Welcher Investor zum Zuge käme, ist offen. Einem Verkauf der Springer-Anteile müssten das Verlagshaus und die Mehrheitseigentümerin zustimmen. Nicht ausgeschlossen wurde am Montag in Bankenkreisen, dass die Deutsche Bank das Paket bei ihrer Beteiligungstochter DB Invest vorübergehend parkt, um es später zu verkaufen. "Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, aber die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es in dieser Woche zu einer Lösung kommt", sagte ein Banker. Die Nachrichtenagentur dpa berichtete dagegen, dass die Hypo-Vereinsbank die Beteiligung der Kirch-Gruppe am Springer-Verlag für mehr als eine Milliarde Euro kaufen wolle. Damit sei der Versuch der Deutschen Bank gescheitert, die Kirch-Gruppe aufzuteilen.

Doch es bleiben erhebliche Risiken: Auch wenn Kirch seine Springer-Anteile veräußert, schuldet der Medienkonzern dem Verlag 767 Millionen Euro, die dieser für seine 11,5 Prozent an Pro Sieben Sat 1 Ende April haben will. Springer-Chef Mathias Döpfner könnte Kirchs Zahlungsfrist laut Aktienrecht nicht verlängern. Ende April werden zudem 460 Millionen Euro fällig, die Kirch der Dresdner Bank schuldet. Der Betrag ist mit Kirchs 25-Prozent-Anteil am spanischen Fernsehsender Telecinco abgesichert.

Die Bemühungen Kirchs, diese Beteiligung, die gut 600 Millionen Euro wert ist, zu verkaufen, stehen offenbar kurz vor dem Abschluss. Die Gespräche mit potenziellen Käufern laufen unter größter Geheimhaltung, aber auf Hochtouren. Aus dem spanischen Sender, der zu den profitabelsten Europas zählt, ist zu hören, dass man mit einem Abschluss des Geschäfts bis Ende des Monats rechne. Kirch-Sprecher Hartmut Schultz bestätigt: "Die Gespräche sind weit fortgeschritten." Die beiden verbleibenden Großaktionäre von Telecinco, das Berlusconi-Unternehmen Mediaset und die spanische Correo-Gruppe legen Wert darauf, dass die aktuellen Machtgewichte nicht durcheinander geraten und sind offenbar bereit, ihre Anteile aufzustocken. Die italienische Mediaset hält 40 Prozent und die iberische Correo-Gruppe 25 Prozent. Ein weiterer Teil des Kirch-Paketes soll mehreren spanischen Großinvestoren angeboten worden sein.

Unterdessen wächst die Nervosität in der Fußball-Bundesliga. An diesem Freitag muss die Kirch-Gruppe, die sich die TV-Übertragungsrechte bis 2004 für mehr als 1,5 Milliarden Euro gesichert hat, eine Teilrate von etwa 100 Millionen Euro zahlen. Sollte der Konzern nicht zahlen, "hat die Liga ein Problem, nicht aber wir", sagte ZDF-Sprecher Philipp Baum dem Tagesspiegel. Zu Spekulationen, die öffentlich-rechtlichen Sender könnten die nach einer Kirch-Pleite frei werdenden Rechte kaufen, sagte er: "Wir bewerben uns nur um Rechte, die wir auch bezahlen können." RTL-Informationsdirektor Hans Mahr "sieht derzeit keinen Anlass, sich zu dem Thema Bundesligarechte zu äußern", sagte Sprecher Markus Jodl. Überraschend einigte sich die Kirch-Gruppe am Montag mit der österreichischen Fernsehstation ORF über den Erwerb der Übertragungsrechte der Fußball-WM 2002. Die öffentlich-rechtliche TV-Anstalt wird unter anderem die 24 Topspiele der WM in Japan und Südkorea inklusive des Eröffnungsspiels, den beiden Semifinalspielen und des Endspiels übertragen. Über die Kosten wurde Stillschweigen vereinbart. Ursprünglich hatte Kirch 7,3 Millionen Euro verlangt.

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