Wirtschaft : Kirch muss um Sportrechte bangen

tmh/mot/hps/pes/HB

Der Kirch-Gruppe soll nicht nur ein Kaufangebot für ihre Beteiligung am Axel-Springer-Verlag vorliegen, sondern offenbar auch für ihren Anteil an der Formel 1-Dachgesellschaft Slec. Laut "Süddeutsche Zeitung" will Formel 1-Chef Bernie Ecclestone den gut 58-prozentigen Anteil Kirchs an der Rennsportserie zurückkaufen. "Bislang ist kein Angebot eingegangen", wies ein Kirch-Sprecher entsprechende Spekulationen zurück. Angaben darüber, ob die Kirch-Gruppe grundsätzlich bereit sei, sich von ihrem Formel 1-Engagement zu trennen, machte er nicht. Treffen der großen Gläubiger-Banken bei der Kirch-Gruppe und der Deutschen Bank verliefen am Donnerstag offenbar ergebnislos.

Ecclestone hält derzeit noch ein Viertel der Slec-Anteile. Weitere gut 16 Prozent besitzt die Münchner EM.TV & Merchandising AG. Deren Notlage hatte Kirch zuletzt genutzt, um dem am Neuen Markt abgestürzten Unternehmen für 1,6 Milliarden Dollar gut 58 Prozent der Formel 1 abzukaufen. Zuvor hatte EM.TV drei Viertel der lukrativen Rennsportserie von Ecclestone erworben. Ecclestone will für Kirchs Anteil angeblich nur noch die Hälfte, 800 Millionen Euro, bieten. "Ich glaube nicht, dass es unter diesen Umständen zum Verkauf kommt", schätzte ein Branchenkenner am Donnerstag. Kirchs finanzielle Lage zwinge ihn aber möglichweise zu einem solchen Abschluss. Ein Interesse an dem Deal wird vor allem der Deutschen Bank nachgesagt. Aufsichtsratschef Hilmar Kopper ist zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrats bei Daimler-Chrysler. Der Stuttgarter Konzern wehrt sich wie die anderen im Rennsport aktiven Autohersteller dagegen, die Formel 1 in Kirchs Bezahlfernsehen zu zeigen. Dort lässt sich der Sport schlechter vermarkten. Die Konzerne haben deshalb damit gedroht, die Formel 1 künftig ohne den Weltverband FIA und Kirch zu organisieren.

Die Kirch-Gruppe schuldet den Banken rund sechs Milliarden Euro und steht vor Zahlungsverpflichtungen von fast drei Milliarden Euro, von denen ein Großteil noch dieses Jahr fällig wird. So verlangt unter anderem der Hamburger Springer-Verlag von Kirch 767 Millionen Euro für die vertraglich zugesicherte Abgabe von Anteilen der Fernseh-Gruppe Pro Sieben Sat 1 Media AG.

Neues Ungemach könnte Kirch im Fußball-Geschäft drohen. Teil des Vertrages über die Fernsehrechte an der Fußballweltmeisterschaft 2002, den ARD-Vorsitzender und WDR-Intendant Fritz Pleitgen und ZDF-Intendant Dieter Stolte unterzeichnet haben, ist ein "Erstzugriffsrecht" auf die Fußball-WM 2006. ARD und ZDF sind bereit, für die 25 Spiele der WM in Deutschland 256 Millionen Euro zu zahlen. Sollte die angeschlagene Kirch-Gruppe nicht mehr die Fernsehrechte an der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland besitzen, haben ARD und ZDF offenbar einen Anspruch auf Rückzahlung von 51 Millionen Euro. Das sei mit Kirch im letzten Jahr vertraglich festgelegt worden, hieß es in Kreisen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. "Wir glauben nicht, dass ein anderer Sender die WM-Rechte 2006 kaufen wird", sagte ein Insider bei ARD/ZDF. Denn inklusive der Rückzahlung von 51 Millionen Euro an ARD/ZDF müsste dann das Angebot bei über 300 Millionen Euro liegen. Diese astronomische Summe gilt angesichts des schwachen Medienmarktes als völlig unrealistisch für private Sender. Die Fernsehrechte für die diesjährige Fußball-WM zahlen die Öffentlich-Rechtlichen erst im Frühjahr vollständig. Wie aus Kreisen des Senders zu erfahren war, seien bei Vertragsbeginn und zum Jahresende insgesamt 60 Millionen Euro nach München überwiesen worden. ARD und ZDF hatten letztes Jahr die TV-Rechte für 115 Millionen Euro plus Mehrwertsteuer von Kirch erworben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben