Wirtschaft : Kirch-Pleite: Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Pleite der Kirch-Media

Was wird aus Leo Kirch?

Was wird aus Leo Kirch?

Der 75-jährige, schwer zuckerkranke Leo Kirch hat mit der Insolvenz der Kirch-Media praktisch sein ganzes Lebenswerk verloren. An repräsentativen Posten in den Nachfolgegesellschaften zeigte er bisher wenig Interesse. Kirch hat die Geschäfte offenbar aus der Hand gegeben. Über sein privates Vermögen ist wenig bekannt. Es soll diverse Gewerbeimmobilien umfassen, darunter Straßenzeilen in Berlin und das ehemalige Verwaltungsgebäude der Lufthansa in Köln. Ein Fall für die Sozialhilfe dürfte Kirch also nicht werden. tmh

Wer zahlt Kirchs Schulden?

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Schwerpunkt: Bundesliga nach der Kirch-Pleite
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Für die Begleichung der Schulden ist jetzt der Insolvenzverwalter zuständig. Addiert man Bankschulden und die Verbindlichkeiten bei sonstigen Gläubigern, kommt die Kirch-Gruppe auf Schulden von fast zehn Milliarden Euro. Während die Kredite der Banken in der Regel besichert sind, dafür also Firmenwerte verpfändet wurden, können alle anderen Gläubiger nur auf eine Verwertung der Insolvenzmasse hoffen. Was Kirch genau an die Banken verpfändet hat, ist unbekannt. Klar ist, dass sein Beteiligungsbesitz von Anteilen am Springer-Verlag, der Formel 1 oder dem spanischen TV-Sender Telecinco nun versilbert wird, um Bankkredite zu tilgen. Die Forderungen des Springer-Verlags oder des EM.TV-Gründers Thomas Haffa gegenüber den Kirch-Firmen sind de facto wertlos. tmh

Was verlieren die Banken?

Die sechs deutschen und weitere internationale Banken haben an Kirch mindestens 6,5 Milliarden Euro ausgeliehen. Weiteres Geld soll jetzt als Massekredit im Insolvenzverfahren zur Verfügung gestellt werden. Wie viel davon verloren ist, hängt vom Verlauf des Insolvenzverfahrens ab und den Sicherheiten, die die Banken für ihre Kredite bekommen haben. Deutsche und Dresdner Bank, die an Kirch zusammen 1,75 Milliarden Euro ausgeliehen haben, sind mit Kirchs Beteiligung am Springer-Verlag beziehungsweise seinem 25-Prozent-Anteil an dem spanischen TV-Sender Telecinco am besten abgesichert. Beide Banken müssen also um ihr Geld nicht fürchten. Ein größeres Risiko tragen praktisch alle anderen Banken, die ihre Kredite mit Kirchs Filmrechten abgesichert haben. Wie hoch die Summen sind, auf denen die Banken sitzen bleiben könnten, hängt davon ab, wie viel die Insolvenzverwalter beim Verkauf von Beteiligungen erlösen. mot

Wo läuft die Bundesliga?

Dort, wo die Bundesliga am Samstag auch heute läuft: Premiere zeigt die Live-Spiele und die erste Zusammenfassung, Sat 1 berichtet danach in "ran". Anschließend folgen das ZDF mit "heute" und die ARD mit der "Tagesschau", ehe das ZDF im "Aktuellen Sport-Studio" alle Begegnungen des Spieltages zeigt. Das besagen die Verträge der Fernsehsender mit dem Rechteverwerter Kirch-Media. Eine neue Situation könnte mit einer Insolvenz von Premiere eintreten: Dann wäre auch der Bild-und-Ton-Produzent Plaza Media pleite und die Live-Rechte würden frei. Und die verbliebenen Sender, allen voran ARD und Sat 1, würden sich um attraktivere Rechte bemühen. Vielleicht nicht mehr bei dem Rechtevermarkter, der Kirch Media, sondern direkt beim Besitzer, der Deutschen Fußball-Liga. jbh

Sind Premiere-Abos wertlos?

2,4 Millionen Fernsehzuschauer haben ein Abonnement bei Kirchs defizitärer Pay-TV-Tochter Premiere. Was mit den Abos nach einer möglichen Insolvenz passiert, hängt davon ab, wie es mit Premiere weitergeht. Bleibt die Firma Premiere erhalten, ändert sich für Abonnenten nach Auskunft der Verbraucherzentrale Berlin nichts. Schwieriger wird es, wenn Premiere von einem anderen Unternehmen übernommen wird. In dem Fall, sagen Verbraucherschützer, stünde den Abonnenten ein Sonderkündigungsrecht zu - auch wenn das im Vertrag nicht vorgesehen ist. Problematisch wird es, wenn Premiere zahlungsunfähig wird und keinen Käufer findet. Dann sind die Aussichten, die Abo-Gebühren zurück zu bekommen, schlecht. pet

Sind Arbeitsplätze gefährdet?

Rund 10 000 Arbeitsplätze sind nach Auskunft der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi von der Kirch-Pleite betroffen - allerdings in ganz unterschiedlichem Ausmaß. Für das Kerngeschäft Kirch-Media, das bereits Insolvenz angemeldet hat, hofft die Gewerkschaft auf einen potenten Käufer. Sollte der sich nicht finden, werde versucht, einen Sozialplan für die Beschäftigten auszuhandeln. Vorerst werden die Gehälter der rund 5500 Kirch-Media-Beschäftigten weiterbezahlt. Das Schicksal von 800 der insgesamt 2400 Beschäftigten des Bezahl-Senders Premiere ist dagegen schon beschlossen: Sie werden entlassen. Die rund 120 Beschäftigen der Regionalsenders TV Berlin, der ebenfalls zur Kirch-Gruppe gehört, müssen noch zittern. pet

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