Wirtschaft : Kirch schaltet DF1 bei Brüsseler Fusions-Veto ab

Verlustbringer soll mit Premiere zusammengelegt werden MÜNCHEN (AFP).Die Münchner Kirch-Gruppe will ihren bislang defizitären Alleingang im digitalen Fernsehen einstellen, falls die EU-Kommission die geplante Zusammenlegung des Digitalsenders DF1 mit dem Hamburger Pay-TV-Sender Premiere nicht genehmigt.Bei der Präsentation der Aktivitäten der Kirch-Gruppe im Bereich des digitalen Fernsehens betonte Kirch-Geschäftsführer Dieter Hahn am Mittwoch abend nach Angaben eines Fimensprechers aber, das Münchner Medien-Unternehmen und sein Premiere-Partner, der Gütersloher Bertelsmann-Konzern, führten weiterhin "konstruktive Gespräche" mit der Brüsseler Behörde, um die nötige kartellrechtliche Genehmigung für die geplante Digital-TV-Allianz zu erhalten. Kirch und Bertelsmann wollen ihre Pay-TV-Aktivitäten in dem bereits gemeinsam geführten Hamburger Sender Premiere zusammenlegen und in Zukunft bei Premiere ein gemeinsames digitales Angebot entwickeln.DF1 soll in Premiere integriert werden.Gemeinsam mit der Deutschen Telekom, die den Zugang zum weitaus größten Teil des deutschen TV-Kabelnetzes kontrolliert, haben sich die Medienkonzerne darüber hinaus darauf verständigt, die von der Kirch-Gruppe entwickelte Digital-Technik mit dem Decoder "d-box" als einheitlichen Standard für das digitale Fernsehen durchzusetzen. Die EU-Kommission hat erhebliche Bedenken wegen einer möglichen Vormachtstellung der Allianz auf dem digitalen Pay-TV-Markt in Deutschland.Für die Dauer des Genehmigungsverfahrens untersagte die Behörde zudem, daß Premiere schon den von DF1 genutzten Decoder "d-box" vermarktet.EU-Wettbewerbskommissar Karel van Miert hatte noch in dieser Woche gefordert, Kirch und Bertelsmann sollten bis Anfang Mai "konkrete Vorschläge" zur Änderung ihrer geplanten Allianz vorlegen, um eine Entscheidung bis Ende des Monats zu ermöglichen.Hochrangige Kommissionsmitarbeiter kritisierten zudem "mangelnde Bemühungen" der beiden Partner, um auf die Bedenken der EU-Kommission einzugehen. Die Kirch-Gruppe hält bei einem Nein aus Brüssel eine getrennte Fortführung des 1996 gestarteten Senders DF1 nicht für wirtschaftlich vertretbar.Bislang hat DF1 nach Angaben des Medienunternehmens mehr als eine Mrd.DM an Investitionen und Anlaufverlusten gekostet.Die Zahl der Abonnenten blieb mit derzeit rund 160 000 weit hinter der ursprünglichen Planung zurück.Premiere hat dagegen 1,65 Millionen Abonnenten, darunter bereits 120 000 Kunden für Premiere digital.Premiere will unabhängig vom Zusammengehen mit DF1 den Decoder "d-box" für sein digitales Programm übernehmen.Der TV-Sender wäre bei einem Brüsseler Veto und einer Einstellung von DF1 der einzige großer Anbieter von Pay-TV in Deutschland. Die Kirch-Gruppe hat nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren im Bereich des digitalen Fernsehens rund tausend neue Arbeitsplätze geschaffen, darunter 250 bei DF1.Zu den Aktivitäten im Bereich Digital-TV gehören auch Angebote eines firmeninternen Business-TV.Die Kirch-Gruppe sieht im digitalen Fernsehen und dem dazugehörenden Umfeld in den kommenden Jahren ein Arbeitsplatzpotential von insgesamt 10 000 bis 15 000 Stellen.

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