Wirtschaft : Kirch-Sender leiden unter Werbeflaute

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Die Fernsehmacher der Pro Sieben Sat 1 Media AG blicken momentan immer öfter in die Röhre: Die Einnahmen gehen zurück, der Gewinn stürzt ab, ein Aufschwung ist nicht zu erkennen. Erst im vierten Quartal werde der Markt wieder anziehen, versprach am Montag Vorstandschef Urs Rohner bei der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal. Eine deutliche Besserung erwartet der FernsehManager für kommendes Jahr. Unterdessen bestätigte Springer eine mögliche Millionenklage gegen Kirch.

"Die ersten neun Monate des Werbejahres 2002 werden schwächer als im Vorjahr ausfallen", betonte Rohner, "bestenfalls wird der Markt am Ende des Jahres ein Nullwachstum aufweisen, schlimmstenfalls kann es ein Minus bis zu fünf Prozent geben." In den ersten drei Monaten des Jahres hat der Verbund der Sender Pro 7, Sat 1, Kabel 1 und N24 die Erwartungen der Analysten nicht erfüllt. Die meisten Banker hatten lediglich mit einem Umsatzrückgang von drei Prozent gerechnet. Tatsächlich flossen mit 489,3 Millionen Euro fünf Prozent weniger in die Kassen als im Vorjahr. Geradezu dramatisch gefallen ist der Gewinn: Mit 5,7 Millionen Euro lag der Profit rund zwei Drittel unter den 16,4 Millionen von 2001. Im gesamten vergangenen Jahr hatte sich der Gewinn gegenüber 2000 halbiert. Besonders hart erwischt hat es das Sorgenkind Sat 1. Das Vorsteuer-Ergebnis rutschte von minus 22 Millionen auf minus 40,8 Millionen Euro.

Dennoch hielt Rohner daran fest, dass der Kanal 2003 schwarze Zahlen schreiben soll. In diesem Sommer kann Sat 1 allerdings zunächst auf einen Umsatzschub hoffen, weil der Kanal Ausschnitte der Fußball-WM übertragen wird. Darüber hinaus hofft Sat 1, auch 2003 wieder die Bundesliga ausstrahlen. Wie viel der Sender dafür bereit ist zu zahlen, wollte Rohner nicht sagen. Derzeit liegen die Übertragungsrechte sicher in der Schweiz, bei der Kirch Sport AG.

Die Sendergruppe gilt als eine der wertvollsten Beteiligungen der Kirch-Media. Ob das im M-Dax notierte Unternehmen bei Kirch-Media bleibt oder im Insolvenzverfahren verkauft wird, wollte Rohner nicht kommentieren. Er gehe davon aus, dass das Aktienpaket bei Kirch-Media bleibt.

Rohner versprach, dass die Gewinne im gesamten Jahr auf Vorjahresniveau bleiben werden und hat daher einen Sparkurs eingeschlagen. So gingen die Personalkosten um fünf Prozent zurück, die Programminvestitionen fielen um 20 Prozent.

Derweil droht Kirch-Media eine Millionenklage des Axel Springer Verlages. Da bei Springer niemand davon ausgeht, dass Kirch-Media die vor zwei Jahren vereinbarten 767 Millionen Euro für den Rückzug aus der Senderfamilie zahlen wird, ließ Springer-Chef Mathias Döpfner eine Klage über 530 Millionen Euro Schadenersatz vorbereiten. Am heutigen Dienstag um 24 Uhr läuft die Frist für diese Put-Option ab. Es ist davon auszugehen, dass die Schadenersatzklage im Laufe dieser Woche eingereicht wird.

Springer will seine Forderung in "größtmöglichem Umfang" durchsetzen. Das Verlagshaus setzt darauf, dass die Insolvenzverwalter Kirch-Media nicht mit einer möglicherweise Jahre dauernden Klage belasten wollen und daher einen Kompromiss suchen. Der könnte darin bestehen, dass Springer entweder eine Sperrminorität über 25,1 Prozent erhält oder zu einer deutlich höheren Summe als die 11,5-Prozent-Beteiligung jetzt wert ist, ausbezahlt wird. In beiden Fällen würde sich Döpfner im Gegenzug dazu verpflichten lassen, auf die vorbereitete Klage zu verzichten, heißt es. Hätte Springer die Klage bereits eingereicht, würde diese dann wieder zurückgezogen werden.

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