Wirtschaft : Kirch sucht neuen Partner für Premiere

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Das Medienunternehmen Kirch bemüht sich offenbar um eine schnelle Einigung mit dem australischen Medienunternehmer Murdoch über die künftige Zusammenarbeit im Bezahlfernsehen Premiere. Murdoch besitzt 22 Prozent an Premiere. Diesen Anteil kann er im kommenden Herbst zurückgeben, wenn Premiere bis dahin nicht vier Millionen Abonnenten hat. Selbst bei Kirch glaubt niemand mehr, dass das zu schaffen ist. Deshalb bemüht sich das Unternehmen offenbar intensiv um eine Lösung in den nächsten Monaten.

Wahrscheinlich ist, dass Kirch einem neuen Gesellschafter einen größeren Anteil an Premiere verkauft als den, den Murdoch bisher hatte. Der Filmhändler und Medienunternehmer Leo Kirch ist nach dem Gütersloher Bertelsmann-Konzern der zweitgrößte private Fernsehunternehmer in Deutschland. Zu Bertelsmann gehört die Senderfamilie RTL, Kirch besitzt neben Premiere die Sender Pro 7 und SAT 1.

Die Kirch-Gruppe ist unter anderem wegen Großeinkäufen von Sendelizenzen für Fußball und Formel 1 außerordentlich hoch verschuldet. Deshalb wird sie kaum in der Lage sein, den Murdoch-Anteil an Premiere zurückzunehmen und zu bezahlen. Zumal Premiere bisher nicht funktioniert. Nur 2,4 Millionen Zuschauer haben das Bezahlfernsehen abonniert. Um das Unternehmen zu entwickeln und neu aufzustellen, braucht Kirch Geld. Und das muss ein neuer Gesellschafter mitbringen.

Als wahrscheinlich gilt der Einstieg eines ausländischen Investors, der sich über Premiere Zugang zum deutschen Pay-TV-Markt verschaffen könnte. Denkbar ist aber auch, dass Kirch einen Finanzinvestor ins Boot holt, der einen erheblichen Anteil von Premiere erwirbt und Kirch finanziell entlastet. Am Veto des Kartellamtes dürfte der Einstieg des US-Konzerns Liberty Media scheitern, der unlängst angekündigt hatte, den Murdoch-Anteil übernehmen zu wollen. Liberty will zugleich einen Großteil des Telekom-Kabelnetzes erwerben.

Unabhängig von der Gesellschafterfrage wächst der Druck, Premiere neu aufzustellen. Dazu plant das Unternehmen offenbar einen Schnellstart mit neuen Empfangsboxen und aggressive Werbung. Bereits im Mai kommenden Jahres sollen die ersten Geräte mit MHP-Standard (Multimedia Home Platform) auf den Markt kommen ( siehe Lexikon ), ist aus dem Umfeld der Kirch-Gruppe zu erfahren. Zugleich werden Vertrieb und Marketing verstärkt.

Die Pläne, schon im Frühjahr 2002 Pay-TV-Dienste für den neuen MHP-Standard anzubieten, sind ehrgeizig. Bislang war von einem MHP-Start frühestens im Juli 2002 die Rede. Hersteller wie Panasonic, Sony oder Philips hatten auf der Funkausstellung erste Set-Top-Boxen mit MHP vorgestellt, die allerdings nur für den Empfang digitaler Programme über Satellit ausgelegt sind. Kabel-Decoder befinden sich noch in der Entwicklung. Kirch hatte sich erst Mitte September mit ARD, ZDF, RTL und den Landesmedienanstalten auf den offenen Standard für die Empfangsgeräte geeinigt, der auch Digital-Programme anderer Anbieter empfangen kann.

Unterdessen wächst der Druck auf Kirch auch im Ausland. Das Hollywoodstudio Paramount Pictures und seine Muttergesellschaft Viacom hätten wegen fälliger Schulden eine Klage gegen die Kirch-Gruppe eingereicht, bestätigte ein Kirch-Sprecher am Donnerstag einen Bericht. Dem Vernehmen nach soll es sich um eine Forderung in Höhe von rund 100 Millionen Dollar handeln. Die Kirch-Gruppe hat eine Gegenklage eingereicht. Auch der Disney-Konzern soll juristische Schritte gegen Kirch vorbereiten.

Für Kirch sind die Verbindungen zu den Hollywood-Konzernen besonders wichtig, schließlich sichern sie ihm den Zugang zu attraktiven Film-Paketen für das Pay-TV. Die profitable Kirch-Media, die im kommenden Jahr nach der Veschmelzung mit Pro Sieben Sat 1 an die Börse geführt wird, hat mit den Studios langfristige Verträge abgeschlossen. Die Verträge reichen zum Teil bis ins Jahr 2008. Kirch, den die langfristigen Zahlungsverpflichtungen drücken, verhandelt offenbar seit geraumer Zeit mit den US-Konzernen um Preisnachlässe.

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