Wirtschaft : Kirch-Verkauf an Haim Saban geplatzt

Gespräche mit US-Investor beendet – PlanB für ProSieben

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München/Berlin (nad/jhb). Die Übernahme des größten deutschen Fernsehkonzerns ProSiebenSat1 und der KirchFilmbibliothek durch den US-Milliardär Haim Saban ist gescheitert. Zunächst wollen Kirch-Media und die Gläubigerbanken nun die Geschäfte in Eigenregie weiterführen. Die Senderkette begrüßte die Alternativlösung. Die Aktien von Pro Sieben Sat 1 brachen am Mittwoch um 5,9 Prozent auf 4,31 Euro ein.

Der Insolvenzverwalter von Kirch-Media und die Saban Capital Group hätten sich darauf verständigt, die Verträge über den Verkauf der Mehrheit an ProSiebenSat1 und den Verkauf der Filmrechte einvernehmlich aufzuheben, teilten beide am Mittwoch mit. „Die offenen Punkte zwischen Verkäufer, Käufer und Banken konnten im Rahmen der vereinbarten Fristen nicht zeitgerecht geklärt werden“, hieß es. Im März hatte Haim Saban den Bieterkampf um die Kernstücke des zusammengebrochenen Kirch-Konzerns gegen den Hamburger Bauer-Verlag gewonnen. Das Paket aus Sendern und Rechtehandel soll zum Preis von knapp zwei Milliarden Euro verkauft worden sein. Die Verträge waren bereits unterschrieben.

Allerdings waren in den Endverhandlungen immer neue Probleme aufgetaucht. So kritisierten die Gläubigerbanken, dass Saban die Vertragsbedingungen im Nachhinein zu seinen Gunsten habe verändern wollen. Auch den Betrag von etwa 150 Millionen Euro für eine dringend notwendige Kapitalspritze für die angeschlagene Fernsehgruppe soll Saban Branchenkreisen zufolge verweigert haben. Zudem versuchte Saban mit dem Argument, die Senderkette sei ein Sanierungsfall, das vorgeschriebene Abfindungsangebot an die freien Aktionäre von Pro Sieben Sat 1 zu umgehen. Verhandlungskreisen zufolge hatte Saban außerdem Schwierigkeiten, Investoren mit ins Boot zu holen, nachdem sein Wunschpartner, der französische Fernsehsender TF1, überraschend abgesprungen war.

Am Mittwoch hieß es in München dagegen, „vertragliche Details“ hätten am Ende den Ausschlag gegeben. Auch der Gesamtpreis könnte nach Angaben aus Bankenkreisen eine Rolle gespielt haben: Da die ProSieben-Aktie seit der Einigung mit Saban stark gefallen ist, hätte der US-Investor deutlich mehr als den aktuellen Börsenwert des TV-Unternehmens zahlen müssen. Saban hatte sich verpflichtet, 36 Prozent der Anteile und 72 Prozent der Stimmrechte an ProSiebenSat1 für 7,50 Euro je Aktie zu übernehmen. Das hätte einem Kaufpreis von 525 Millionen Euro entsprochen.

Da bereits mehrfach über ein Scheitern der Verhandlungen spekuliert worden war, hat sich Kirch-Media für diesen Fall gerüstet und zusammen mit den Gläubigerbanken und der Kirch-Insolvenzverwaltung einen Alternativplan ausgearbeitet. Dieser so genannte PlanB sei bereits vom Gläubigerausschuss genehmigt und werde nun umgesetzt, teilte Kirch-Media am Mittwoch mit. „Basis des Fortführungskonzeptes ist die Einigung mit den finanzierenden Banken über ein gemeinsames finanzielles Engagement bei der Senderfamilie und die Aufrechterhaltung der Versorgung der Senderfamilie aus der Filmbibliothek“, hieß es. Bei der Hauptversammlung von ProSiebenam 16. Juni soll eine Kapitalerhöhung im Umfang von rund 300 Millionen Euro beschlossen werden. Finanziert werden soll sie je zur Hälfte von den Banken und Kirch-Media.

Nach dem Abbruch der Verhandlungen mit Saban, macht sich nun wieder der Heinrich Bauer Verlag Hoffnungen, bei Kirch-Media den Zuschlag zu bekommen. „Der Heinrich Bauer Verlag ist jederzeit zu Gesprächen mit dem Insolvenz-Management und den Banken bereit", sagte Sprecher Andreas Fritzenkötter dem Tagesspiegel.

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