Wirtschaft : Kirch verkauft bald Sportrechte-TochterGläubiger prüfen Offerte von Management und Ex-Adidas-Chef

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Düsseldorf/München (cbu/hps/HB). Die Verhandlungen über den Verkauf der Kirch-Sportrechtetochter Kirch Sport AG mit Sitz in schweizerischen Zug laufen auf Hochtouren. Mit einem baldigen Abschluss wird gerechnet. „Es wird eine schnelle Lösung geben“, hieß es am Dienstag in Verhandlungskreisen. Auf der Gläubigerversammlung von Kirch-Media, der Muttergesellschaft von Kirch Sport, könnte an diesem Mittwoch ein separater Verkauf diskutiert werden.

Ursprünglich sollte der Bereich zusammen mit dem Kerngeschäft veräußert werden. Favorisiert ist für Kirch Sport derzeit ein Management-Buy-Out (MBO), also der Erwerb durch das derzeitige Management. Unterstützt wird die Kirch-Sport-Geschäftsführung dabei durch den finanzkräftigen französischen Investor Robert Louis-Dreyfus. Kirch Sport wird derzeit von Ex-Fußballer Günther Netzer, dem US-Amerikaner John Kristick sowie Dominik Schmid und Chairman Oscar Frei geführt. Eine Stellungnahme war am Dienstag nicht erhältlich. Als zweiter Bieter gelten Leo Kirch und Dieter Hahn.

Der Weltfußballverband Fifa, der über ein Vetorecht verfügt, unterstützt aber offenbar das MBO. Kirch Sport hält unter anderem die Rechte für die Fußball-WM 2006 in Deutschland, die noch von Leo Kirch für etwa 1,6 Milliarden Schweizer Franken erworben wurden. Das Unternehmen, eine 100-Prozent-Tochter der Kirch-Media, gilt als einer der werthaltigen Teile des Medienkonzerns.

Einen Erfolg können die Kirch-Sanierer Wolfgang van Betteray und Hans-Joachim Ziems sowie der Insolvenzverwalter Michael Jaffé gebrauchen. Denn der Verkauf des Kerngeschäftes von Kirch-Media, also Lizenzhandel und die Mehrheitsbeteiligung an der ProSiebenSat1 Media AG, läuft schleppend. Ein Sprecher teilte zuletzt mit, der Verkauf, der von der Investmentbank UBS Warburg gelenkt wird, soll jetzt bis Mitte Oktober abgeschlossen sein. Aus Firmenkreisen gibt es aber Zweifel, ob das zu schaffen sei.

Zuletzt waren drei Bietergruppen für Kirch-Media im Rennen. Neben einem Verbund aus Commerzbank und dem US-Filmstudio Columbia Tristar (Sony) und einer Gruppe aus dem französischen TV-Konzern TF 1 und dem US-Milliardär Haim Saban wollen auch die bisherigen Kirch-Media-Gesellschafter wie der Finanzkonzern Lehman Brothers, der Finanzholding des Ölprinzen Al Walid sowie der Handelsgruppe Rewe den insolventen Medienkonzern übernehmen. Auch ein Konsortium um die Verlage Springer und Bauer sowie der Hypo-Vereinsbank ist noch im Rennen. „Wir haben nach wie vor höchstes Interesse", betonte am Dienstag ein Bauer-Sprecher. Eine Aufbesserung der Offerte ist Brancheninformationen zufolge im Gespräch. Das Konsortium hatte zuletzt 1,4 Milliarden Euro für den Konzern ohne den Sportrechtehandel geboten.

Auch Veränderungen in der Zusammensetzung der Konsortien sind offenbar nach wie vor möglich. Offen ist, ob Vertreter von Gläubigern, die selbst ein Angebot abgeben, auch über den Zuschlag abstimmen können. Ein Ausschluss könnte die Commerzbank, die Hypo-Vereinsbank und Columbia betreffen.

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