Wirtschaft : Kläger stellen Bill Gates an den Pranger

WASHINGTON (AFP/rtr).Zum Auftakt des Kartellverfahrens gegen den Softwaregiganten Microsoft haben die Vertreter der Anklage Konzernchef Bill Gates als Hauptschuldigen gebrandmarkt.Der Anwalt des US-Justizministeriums, David Boies, führte dem Gericht Auszüge von Videoaussagen, die Bill Gates gemacht hatte, vor, um den Vorwurf des Monopolmißbrauchs gegen Microsoft zu untermauern.Gates habe die Strategien, mit denen die unliebsame Konkurrenz ausgebotet werden sollte, persönlich "orchestriert".Der leitende Anwalt der zwanzig ebenfalls klagenden US-Bundesstaaten, Stephen Houk, übte scharfe Kritik an der Entscheidung von Bill Gates, nicht persönlich vor Gericht zu erscheinen.

Microsoft wird vorgehalten, seine Dominanz bei Betriebssystemen wettbewerbswidrig mißbraucht zu haben, um sich auch auf dem Markt für Internet-Navigationssysteme durchzusetzen.Beanstandet wird, daß der Konzern seinen Internet-Browser "Explorer" in das Betriebssystem "Windows" integriert hat, mit dem weltweit neun von zehn PC ausgestattet sind.Die gemeinsame Vermarktung von Betriebssystem und Internet-Browser verbaut anderen Anbietern die Chance, Käufer für ihre Produkte zu finden.

Den Vorsitz in dem Verfahren hat Bundesrichter Thomas Jackson, der bereits in einem vorherigen Urteil gegen Microsoft entschied.Der Kartellprozeß soll fünf bis acht Wochen dauern und wird dann voraussichtlich eine Fortsetzung vor dem Obersten Bundesgericht finden.Am Ende des Verfahrens könnte sogar die Zerschlagung des Firmenimperiums von Multimilliardär Gates stehen.Geht Microsoft durch alle möglichen Instanzen, könnte sich der Prozeß aber auch noch bis zum Jahr 2001 hinziehen.

Microsoft-Prozeßvertreter William Neukom kommentierte die Eröffnungsplädoyers der Gegenseite mit den Worten, das Gericht habe nichts Neues zu hören bekommen.Die Kläger hätten lediglich vorgetragen, "was sie schon seit Wochen und Monaten behaupten".Vor Prozeßbeginn hatte Neukom betont, Microsoft behalte sich das Recht vor, seine Produkte im Interesse der Kunden stetig zu verbessern und zu modernisieren.Dies habe nichts mit Monopolmißbrauch zu tun.

Als erster Konkurrent äußerte sich James Barksdale, Leiter des auf Internetsoftware spezialisierten Unternehmens Netscape.Der Marktanteil der Netscape-Browser ist seit Einführung des "Explorer" stark zurückgegangen.In einer 127 Seiten langen schriftlichen Aussage beschuldigte Barksdale Microsoft, den Vertrieb des Netscape-Browsers durch wettbewerbswidrige Absprachen behindert zu haben.Microsoft wies Barksdales Aussage als "eigennützige Behauptungen ohne sachliche Grundlage" zurück.

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