Wirtschaft : Klamme Kliniken

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Egon Weber findet starke Worte für das, was in seiner Branche gerade passiert. „Wir werden nur noch geknebelt, gedrückt und geschlagen“, sagt der Medizintechnikexperte von der Kölner Firma Metronik. Metronik beliefert unter anderem große öffentliche Krankenhäuser mit medizintechnischem Gerät wie Blutdruckmessgeräten. Doch der Preisdruck wird immer größer. Der Grund: Die öffentlichen Kliniken stehen unter extremem Sparzwang. Das Geld für Investitionen bekommen sie zu gleichen Teilen von Bund und Ländern. Aber die sind klamm und spendieren lange nicht so viel, wie die Krankenhäuser nach eigener Planung bräuchten. „In den vergangenen Jahren hat sich in den deutschen Unikliniken ein Investitionsstau von mehreren Milliarden Euro angesammelt“, klagt Reinhold Keil, der kaufmännische Leiter des Universitätsklinikums Essen. Keil hat für sein Krankenhaus einen Bedarf von 50 Millionen Euro für neue Geräte angemeldet, tatsächlich bekommen hat er rund acht Millionen Euro. „Wir müssen uns sehr genau überlegen, was dringend notwendig ist“, sagt Keil. Da er weniger Neugeräte kaufen kann, müssen die alten länger halten. Außerdem versuchen die Kliniken, ihre Herzklappen, Schläuche und Blutdruckmessgeräte nur noch in der Standardversion und im Verbund einzukaufen. „Dadurch können wir den Listenpreis um 30 bis 50 Prozent drücken“, sagt Keil.

Leidtragende sind die Hersteller. Die Firma Metronik hat noch vor zwei Jahren 2500 Blutdruckmessgeräte eines bestimmten Typs pro Jahr verkauft, das Stück zu 3800 Euro. Jetzt sind es nach Angaben von MetronikMitarbeiter Weber gerade noch 300 bis 400 pro Jahr. „Die Krankenhäuser reparieren die alten Geräte lieber noch einmal statt neue zu kaufen“, sagt Weber. Metronik hat die Konsequenz gezogen. Die Traditionsfirma wird die Produktion mit 14 Arbeitsplätzen in ein Billiglohnland verlegen, entweder nach Polen oder Ungarn. In Deutschland bleibt nur noch eine Servicestation. pet

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