Wirtschaft : Klare Worte und gute Stimmung im Cyberspace

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Maja will wissen, ob ihre Rente noch sicher ist, und Marek findet, dass Beamte auch Beiträge für ihre Altersvorsorge zahlen sollen. Ihnen antwortet Bundesarbeitsminister Walter Riester, von Bildschirm zu Bildschirm. Denn der Politiker hat sich am Dienstag für eine Stunde ins Internet begeben, um mit einem Dutzend seiner Bürger zu "chatten" (nachzulesen auf der Homepage: www.spd.de ). In einem fröhlichen Durcheinander von Fragen und Antworten erläutert Riester alles Mögliche, von der Holzmann-Pleite bis zu den Arbeitsgenehmigungen für lesbische oder schwule ausländische Lebenspartner. Wer sonst Podiumsdiskussionen fürchtet, dürfte bei dieser elektronischen Gesprächsrunde angenehm überrascht sein: Fragen wie Antworten sind kurz, oftmals auch interessant. Die 18-jährige Maja darf Riester zufolge hoffen. Der Minister sichert ihr nicht nur eine Rente im Alter zu, sondern tippt außerdem, "in einem Jahr um diese Zeit ist die gesamte Rentenreform aus meiner Sicht im Gesetz". Das ist eine handfeste Prognose. Für Marek findet Riester ebenfalls klare Worte: Er sei auch der Meinung, dass Beamte eine Rente zahlen müssten. Leider, sagt Riester, müsse dazu aber das Beamtenrecht geändert werden. Und das, profezeit er, sei unwahrscheinlich. Ein Frager namens Logo2, den die Holzmann-Rettung interessiert, muss sich hingegen mit einer verwirrenden Antwort begnügen. Logo2 hatte zu bedenken gegeben, viele kleine Firmen seien früher wegen der Preispolitik des Bauriesen in die Pleite gegangen. "Haben wir eine freie Marktwirtschaft oder nicht?", will er wissen. Freie Marktwirtschaft, entgegnet der Minister, bedeute nicht zwangsläufig die Zerstörung von Arbeitsplätzen. Diese unstimmige Antwort irritiert aber weder Logo2 noch irgendeinen anderen "Chatter". Die Stimmung im Cyberspace bleibt gut. Bald schon duzt sich der Arbeitsminister mit dem Frager Karl- Heinz, der wie Riester 56 Jahre alt ist.

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