Wirtschaft : Klaus Esser geht auf Werbetour und der Kurs fällt

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Mannesmann sei Vodafone auf sämtlichen Gebieten überlegen - 330 Euro pro Aktie das mindesteval

Mannesmann-Chef Klaus Esser hat es jetzt eilig. Am Mittwoch sagte der Vorstandsvorsitzende des Düsseldorfer Telekommunikations-Unternehmens, die Aktionäre müssten möglichst zügig entscheiden, ob sie auf das Angebot von Vodafone-Airtouch eingehen wollten. Der britisch-amerikanische Mobilfunk-Anbieter bietet den Mannesmann-Aktionären in einer der größten Fusionen der Industriegeschichte umgerechet rund 240 Milliarden Mark in Aktien für ihre Anteile.

Energisch drängte Esser am Mittwoch darauf, das Angebot von Vodafone umgehend abzulehnen. Auf dem Telekommunikationsmarkt "finden heiße Tänze statt", die nicht "in der Tiefkühltruhe" verschlafen werden dürften, sagte der Mannesmann-Chef. Das Angebot anzunehmen und die Entwicklung am Markt damit anderen zu überlassen "ist so ziemlich das Dümmste, was wir machen könnten." Seine Rede hat den Kurs der Mannesmann-Aktie am Mittwochnachmittag gedrückt, die Aktie verlor bis zu fünf Prozent auf 228,60 Euro. Wie viele Investoren der Mannesmann-Chef auf seiner Werbetour bisher für sich gewinnen konnte, sagte er nicht. "Der Prozess läuft." Die institutionellen Anleger seien dabei, sich beide Seiten anzuhören. Zumindest könne er feststellen, dass die Werbebotschaft angekommen sei.

Esser sagte am Mittwoch erneut, der Preis, den Vodafone geboten habe, sei viel zu niedrig. Außerdem mache ein Zusammenschluss mit dem britisch-amerikanischen Telekommunikationsunternehmen strategisch keinen Sinn. Vodafone will Mannesmann für umgerechnet 250 Euro pro Aktie übernehmen und den Aktionären dabei insgesamt einen Anteil von 47,2 Prozent an der neuen Gesellschaft anbieten. Bei diesem Angebot müsse der Preis laut Esser für eine Mannesmann-Aktie weit über 330 Euro liegen. Dies sei der Preis, wenn in Bargeld bezahlt würde. Den Wert des Unternehmens schätzt Esser auf 300 Euro pro Aktie. Darin sei aber noch nicht das Wachstumspotential des Unternehmens enthalten. Während Vodafone ein Wachstumspotential von 18 Prozent des Ebitda (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) aufweise, läge das von Mannesmann bei 30 Prozent. Die Aussichten des britisch-amerikanischen Unternehmens seien gut, die von Mannesmann aber besser - schon deswegen müsse der Preis mindestens bei 330 Euro liegen. Hinzu käme aber noch, dass die Mannesmann-Aktionäre dafür entschädigt werden müssten, dass sie die Kontrolle über ihr Unternehmen aufgäben. Deswegen liege der Preis bei "330 Euro plus Kontrollprämie".

Für Esser steht nach wie vor fest: Eine Verbindung mit Vodafone mache keinen Sinn. Vodafone biete Telefondienstleistungen an, die Produktpalette von Mannesmann aber sei sehr viel breiter. Der Düsseldorfer Konzern setze nicht nur auf die drahtlose Kommunikation, sondern auch auf das Festnetz und auf Internet-Angebote. "Wir haben 2,5 Millionen Internet-Kunden," sagte der Mannesmann-Chef, während diese Zahl bei Vodafone "gegen Null" tendiere. Hinzu käme, dass das deutsche Unternehmen durch ein Zusammengehen keine neuen Märkte erschließen könne. Zur Strategie seines Unternehmens sagte Esser, der Konzern wolle auf den großen europäischen Märkten seine Position stärken. Dabei gab er besonderes Interesse an Frankreich zu erkennen.

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