Wirtschaft : Klaus Esser in der Defensive - Isolation durch kompromisslose Haltung

Corinna Visser

Mannesmann-Chef Klaus Esser war nicht einfach nur ein Gegner der Fusion mit dem britischen Mobilfunkanbieter Vodafone. Er lehnte sie so vehement ab, dass er nicht einmal darüber verhandeln wollte. Mannesmann sei so wertvoll, dass Vodafone sich das Düsseldorfer Unternehmen einfach nicht leisten könne.

Diese starre Haltung könnte ein großer Fehler gewesen sein. Beide Konzerne verfolgten bis zur Vorlage des Angebots unterschiedliche Strategien. Mannesmann wollte bedeutender Telekommunikationsanbieter in Europa sein. Bei den Düsseldorfern sollte der Kunde alle Leistungen vom Festnetz, über Mobilfunk bis zum Internet aus einer Hand bekommen. Vodafone dagegen hatte den Weltmarkt im Visier, setzte dabei den Fokus klar auf den Mobilfunk. Zwei Strategien, die auf den ersten Blick unvereinbar scheinen. Trotzdem hat sich Esser mit seinem kompromisslosen Festhalten am einmal eingeschlagenen Weg zunehmend isoliert. Bei den Banken und Investmentfonds, bei seinem Aufsichtsrat und auch bei den potenziellen Partnern. Bündnisse mit dem französichen Mischkonzern Vivendi und dem Online-Dienst AOL hätten ihn vor einer Übernahme bewahren können. Doch Vivendi und AOL trauten dem kombinierten Unternehmen Vodafone-Mannesmann offenbar mehr zu als Mannesmann allein.

Sie geben Vodafone-Chef Chris Gent Recht. Der hat sich während der ganzen Zeit viel kompromissbereiter gezeigt und hat immer wieder neue Argumente für seinen Plan geliefert: wie etwa zuletzt einen höheren Anteil am gemeinsamen Unternehmen. Mannesmann-Chef Klaus Esser hat sich aber erst an den Verhandlungstisch gesetzt, als klar war, dass er die Übernahme nicht mehr werde verhindern können. Wäre er Vodafone früher entgegengekommen, hätte er sicher bessere Bedingungen aushandeln können. Ablehnen hätte er immer noch können.

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