Wirtschaft : Klaus Esser managt jetzt Kapital aus den USA

Der angeklagte Ex-Mannesmann-Chef steuert für den US-Beteiligungsspezialisten General Atlantic das Deutschland-Geschäft

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Frankfurt (Main) (pk/HB). Klaus Esser hat seine neue Schaltzentrale im rezessionsbeständigen Teil der Düsseldorfer Königsallee gefunden. In den 60er Hausnummern, zwischen TafelsilberLäden und der Private Banking-Filiale der Commerzbank, steuert der frühere Mannesmann-Chef das deutsche Geschäft der Beteiligungsgesellschaft General Atlantic Partners.

Das amerikanische Private-Equity-Unternehmen (siehe Lexikon Seite 18), das 1980 von einem McKinsey-Berater gegründet wurde, zählt mit fünf Milliarden Dollar „under management“ zu den Schwergewichten weltweit – rund drei Milliarden Dollar sind derzeit noch unverbraucht. Alleine in Europa wurden von der Gesellschaft laut Esser in den vergangenen zwölf Monaten rund 400 Millionen Euro investiert.

Erst seit den frühen 90er Jahren ist General Atlantic auf dem deutschen Markt aktiv. Das Düsseldorfer Büro wurde 2001 eröffnet. „Im Rahmen eines Co-Investments bin ich auch mit eigenem Geld bei General Atlantic engagiert“, sagt Esser. Das dürfte ihm nicht schwer gefallen sein, schließlich erhielt er nach der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Vodafone-Konzern umgerechnet rund 30 Millionen Euro an Abfindungen und Anerkennungsprämien. Im bevorstehenden Prozess soll die Rechtmäßigkeit eines Teils dieser Zahlungen geklärt werden. Esser sitzt wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue auf der Anklagebank.

Geldgeber für General Atlantic sind nordamerikanische Familien und der US-Versicherungskonzern AIG. Im Gegensatz zur typischen Private Equity Gesellschaft, die zeitlich gebundene Fonds auflegt, investiere man aus einem kontinuierlichen Mittelzufluss heraus, von „einer immergrünen Kapitalbasis“, wie der promovierte Jurist formuliert. Man stecke das Eigenkapital ausschließlich in Technologiefirmen und setze auf deren Wachstum. Von Sanierungsfällen oder klassischen Industrien lässt man die Finger.

Selbst in den düstersten Zeiten der „New Economy“ blieb die Anlagepolitik unverändert. In der Branche wird General Atlantic „gut besprochen“, wie es ein Schweizer Dachfondsmanager formuliert. Allerdings bedeute der Schwerpunkt Technologie auch, das man dem Branchenzyklus voll ausgesetzt ist. Zudem begnügt sich die Gesellschaft mit Minderheitspaketen, was viele Private-Equity-Manager ablehnen, weil sie sich nicht mit dem „Beifahrersitz“ begnügen wollen. In Düsseldorf sieht man darin aber kein Hindernis, um sich aktiv einzumischen.

Esser hat sich in Deutschland mit seinem Team still und leise ein kleines Konglomerat zusammengekauft. Im Portfolio sind etwa Ixos (Dokumentensoftware), CompuGroup (Ärztesoftware), GWI (Krankenhaussoftware) und TDS (IT-Outsourcing). Zurzeit feilt Esser an einer Europa-Strategie, bei der die deutsche Assekuranz eine Schlüsselrolle spielen soll.

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