Klaus Kleinfeld : Vom Wunderknaben zum Wackelkandidaten

Seit 2005 führt Klaus Kleinfeld die Geschäfte bei Siemens. Er baute den Konzern erfolgreich um und glänzte mit Milliardengewinnen. Dabei machte er sich aber nicht nur Freunde - jetzt wackelt sein Stuhl bei Siemens.

München - Noch bis vor kurzem sah es so aus, als könnte den 49-jährigen passionierten Marathonläufer nichts so schnell umhauen. Unbeeindruckt von öffentlicher Kritik und Protesten der Mitarbeiter baute der gebürtige Bremer den Siemens-Konzern seit seinem Amtsantritt im Januar 2005 in kürzester Zeit vollständig um. Er verkaufte die verlustreiche Handysparte, gliederte das Festnetzgeschäft aus und setzte in vielen Bereichen den Rotstift an. Tausende Arbeitsplätze wurden gestrichen und Siemens glänzte mit Milliardengewinnen.

Begonnen hatte Kleinfeld seine Karriere nach dem Betriebswirtschafts-Studium 1982 am Institut der Stiftung für empirische Sozialforschung in Nürnberg. Nach einem kurzen Gastspiel bei Ciba-Geigy in der Schweiz wechselte er 1987 als Referent in den Vertriebsbereich von Siemens. Schnell stieg er auf und wurde unter anderem 1995 Leiter der Siemens-Unternehmensberatung. Zudem entwickelte er das strategische Unternehmensprogramm "top plus" zur Ertragsverbesserung. 1998 wechselte der Manager in den Bereich Medizintechnik, in dem er zwei Jahre später Bereichsvorstand wurde. Seinen Management-Stil hat Kleinfeld vor allem aus den USA mitgebracht, wo er vor seinem Wechsel an die Konzernspitze das US-Geschäft auf Vordermann gebracht hatte.

Kleinfeld mit harter Hand

Bei den Mitarbeitern und in der Öffentlichkeit machte sich Kleinfeld mit seiner harten Hand allerdings nicht überall Freunde. Spätestens der Verkauf der Handy-Sparte an den taiwanesischen Konzern BenQ, der die deutsche Tochter mit ihren 3000 Arbeitsplätzen ein Jahr später fallen ließ, nahmen ihm viele übel. Dass gleichzeitig eine üppige Gehaltserhöhung für den Vorstand bekannt wurde, empfanden viele als Provokation. Unter dem öffentlichen Druck spendeten die Führungskräfte den Zuschlag für ein Jahr an einen BenQ-Mobile-Hilfsfonds.

Kleinfeld lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern im noblen Münchner Stadtteil Grünwald. Der Manager ist Opernliebhaber und wurde sogar in den Aufsichtsrat der Metropolitan Opera in New York berufen. (tso/dpa)

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