Wirtschaft : Klaus Mangold im Gespräch: "Russland kann Schulden gegen Beteiligungen tauschen"

Herr Mangold[wollen oder können die Russen i]

Klaus Mangold (57) ist Vorstandschef von Daimler-Chrysler Services und Vorsitzender des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft. In beiden Funktionen setzt er sich für den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland ein.Im Rahmen des deutsch-russischen Kooperationsrates treffen sich kommende Woche Manager und Politiker aus beiden Ländern. Diskutiert wird dabei auch, wie Russland seine Auslandsschulden begleichen könnte.



Herr Mangold, wollen oder können die Russen ihre Schulden im Ausland nicht bezahlen?

In jedem Fall wäre Russland gut beraten, wenn es als guter Schuldner weltweit auftreten, seine Schulden begleichen und seinen Verpflichtungen im Ausland nachkommen würde. Zurzeit sieht es ganz gut aus. Die russische Regierung hat mittlerweile erklärt, dass sie die Tranche für dieses Jahr voll bezahlen will. Insgesamt schuldet Russland dem Ausland rund 158 Milliarden Dollar. 42 Milliarden Dollar enfallen auf die im Pariser Club vertretenen Staaten. Für Deutschland ist die Frage des Schuldendienstes deshalb so wichtig, da wir mit rund 20 Milliarden Dollar größter Gläubiger von Russland sind.

Nicht berücksichtigt in Ihrer Rechnung sind die so genannten Transfer-Rubel-Kredite in Höhe von 13 Milliarden Mark. Was passiert damit?

Das sind Kredite, die auf damalige Exportgeschäfte der DDR mit der Sowjetunion zurückgehen. Sie zählen nicht zu den Forderungen des Pariser Clubs und können deshalb von der Bundesregierung separat verhandelt werden. Im deutsch-russischen Strategieausschuss besprechen wir gerade eine, wie ich finde, sehr interessante Möglichkeit, wie diese Schulden beglichen werden könnten - die so genannten debt-for equity-swaps.

Wie funktionieren die?

Das könnte so aussehen, dass die russische Regierung teilweise ihre Anteile an Staatsunternehmen an deutsche Unternehmen verkauft. Diese Anteile könnten dann mit den Auslandsschulden verrechnet werden. Das setzt aber voraus, dass entsprechend attraktive Firmen mit guter Bonität für diese Idee zur Verfügung gestellt werden.

Welche Unternehmen kämen denn für die Swaps in Frage?

Es müssten Unternehmen sein, für die sich auch in Deutschland entsprechende Partner finden. Allerdings sind noch viele Fragen offen: Erstens gibt es noch keine russische Projektliste. Zweitens hat Russland immer beteuert, dass es so genannte Blue-Chip-Firmen wie etwa Gazprom von dieser Regelung ausnehmen wollen.

Aber das sind doch gerade die spannenden Firmen.

Richtig. Wenn wir die Gespräche beschleunigen wollen, muss Russland jetzt auch solche Firmen in eine Projektliste einbringen, die in Deutschland als interessante Partner angesehen werden. Schon in der ersten Phase müssen deshalb zwei oder drei Blue-Chip-Unternehmen dabei sein, sonst macht es keinen Sinn.

Gibt es denn überhaupt deutsche Firmen, die an russischen Beteiligungen interessiert sind?

Auf jeden Fall. Es sind primär Unternehmen, die heute schon in Russland tätig sind. Unternehmen aus der Petrochemie, der Energie- oder der Nahrungsmittelbranche. Aber es gibt auch solche, die neu in diesen Markt wollen.

Als Vorsitzender des Ostausschusses müssen Sie sich qua Amtes für die verstärkte Wirtschaftsbeziehungen zwischen Ost und West einsetzen. Doch noch immer fehlt in Russland eine Bodenreform, funktioniert die Rechtsprechung nicht. Kann man Unternehmen überhaupt raten, in einem solchen Land zu investieren?

Trotz vieler Probleme, wie die noch unzureichende Bank-, Verwaltungs- oder Steuerreform, halte ich Russland für ein sehr interessantes Investitionsland. Auch in China sind die Rahmenbedingungen nicht leichter als in Russland, und auch dort investiert man. Russland mit einem Markt von 180 Millionen Menschen ist und bleibt attraktiv für Investoren, vor allem, was die Rohstoffe und die Verbindungen zu den anderen ehemaligen Sowjet-Republiken betrifft.

Wie ist denn Daimler-Chrysler und die Tochter Daimler-Chrylser Services, deren Vorstandschef Sie sind, in Russland engagiert?

Daimler-Chrysler verfügt über eine hundertjährige Geschichte in den Wirtschaftsbeziehungen mit Russland. Wir haben unsere ersten Autos 1895 nach Russland geliefert. Unser Export-Geschäft mit Russland läuft sehr gut und wir konnten es auch im vergangenen Jahr weiter ausbauen. Das soll auch in diesem Jahr so sein. Vor allem bei Nutzfahrzeugen wollen wir noch weiter zulegen. Wir verfolgen aber kein großes industrielles Projekt, wie zum Beispiel ein Montagewerk vor Ort.

Und Daimler-Chrysler Services?

Das Debis-Systemhaus hat vor vier Jahren zwei Niederlassungen in Moskau und St. Petersburg aufgebaut. Sie übernehmen die Datenverarbeitung für russische Unternehmen und entwickeln Software. Beide wachsen kräftig und schreiben schwarze Zahlen. Darüberhinaus bietet Daimler-Chrysler Services Leasing- und Finanzierungsmöglichkeiten und Versicherungen an. Auch dies entwickelt sich positiv. Die Debis International Trading arbeitet außerdem an verschiedenen Projekten. In einem davon wollen wir mit Mercedes-Motoren ausgestattete Claas-Mähdrescher unter Federführung von Claas in Lizenz fertigen lassen.

Können sich Großunternehmen Ihrer Meinung nach leichter in Russland engagieren, weil sie im Zweifelsfall bei Schwierigkeiten über politische Kanäle eher Druck machen können?

Ich glaube nicht, dass man das so sagen kann. In Russland sind nicht nur die Großen wie Bosch, Siemens oder die Chemie-Konzerne. Es gibt sehr erfolgreiche Mittelständler wie zum Beispiel den Gipsplattenhersteller Knauf aus Bayern oder etwa Ehmann, die Molkerei-Produkte herstellen und vertreiben. Auch sie haben in der Abwägung von Chancen und Risiken mehr die Chancen gesehen und sind mit ihren Investitionen in Russland heute sehr zufrieden.

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