Wirtschaft : KLAUS ZIMMERMANN

Verdacht auf Untreue gegen den Präsidenten des DIW

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Er ist durchgekommen. Zu Beginn des Jahres sah das nicht so aus, doch dann zog die Karawane weiter. Und Klaus Zimmermann macht wieder business as usual. Der Berliner Rechnungshof hatte dem Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) eine nicht ordnungsgemäße Geschäftsführung vorgeworfen. Und da das Institut zum großen Teil aus dem Berliner Landes- und dem Bundeshaushalt finanziert wird, ist das eine pikante Angelegenheit. Denn für öffentliche Mittel gibt es bestimmte Restriktionen und Vorgaben. Wer das Geld der Allgemeinheit ausgibt, hat besondere Regeln zu beachten.

Muss Zimmermann denn auch mit Steuergeldern ein Institut in Washington finanzieren, dessen Nutzen schwer ersichtlich ist? Und war der Umzug des DIW von Dahlem nach Mitte nicht viel zu teuer? Schließlich: Kommt Zimmermann überhaupt seinen Pflichten als Präsident nach, wo ihn doch alle möglichen anderen Jobs, unter anderem als Chef des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit, ziemlich in Beschlag nehmen? Diese und ein paar andere, nachrangige Fragen warfen die Prüfer des Rechnungshofes auf. Und am Ende konzentrierten sich die diversen Fragestellungen und Ungereimtheiten im Vorwurf der Untreue, dem die Staatsanwaltschaft nachgeht.

Zimmermanns Gegenstrategie: Ein PR-Profi, der den Rechnungshof als Kleinkrämertruppe beschimpfte; ein Gutachten, das die Relevanz der wissenschaftlichen Freiheit betonte und gegenüber dem schnöden Vergabemodalitäten für öffentliche Mittel verteidigte. Schließlich und überhaupt: Einmauern und Aussitzen. Das funktionierte, weil das Kuratorium des DIW, sozusagen Zimmermanns Aufsichtsrat, schwach besetzt ist und die innerbetriebliche Opposition – im eigenen Haus wird dem Präsidenten ein autokratischer und bisweilen autistischer Stil vorgeworfen – sich nicht traute aufzubegehren. Wissenschaftler neigen selten zur Revolte. Und weil die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen seit Monaten auf der Stelle treten.

Im Verlauf des Jahres gab es jedoch Veränderungen. An der Spitze des Kuratoriums sitzt jetzt mit dem ehemaligen Wirtschaftsweisen Bert Rürup ein Schwergewicht, mit dem sich Zimmermann arrangieren muss. Und in der Staatsanwaltschaft haben die Zuständigkeiten gewechselt, so dass die Ermittlungen in absehbarer Zeit abgeschlossen werden dürften. Wenn es zur Anklage kommt, wird es doch noch eng für Zimmermann. Als Präsident des größten deutschen Wirtschaftsforschungsinstituts wäre er dann kaum mehr zu halten.

Für viele, etwa auch seinen Vorgänger auf dem Präsidentenstuhl, wäre der Verlust zu verschmerzen. Denn Zimmermann hat das DIW – über Jahrzehnte profiliert mit und durch Konjunkturanalysen inklusive eines eher linken, keynesianischen Ansatzes – nach rechts geführt zum wirtschaftsliberalen Mainstream der vergangenen Jahre. Besonders bitter dabei: Am Gemeinschaftsgutachten der Forschunginstitute nimmt das DIW seit einigen Jahren nicht mehr teil. Falls Zimmermann gehen muss, stünde ein Nachfolger in unmittelbarer Nähe bereit: Bert Rürup. alf

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