Wirtschaft : Klaus Zwickel hat sich geirrt

Antje Sirleschtov

Noch knapp zwei Jahre Monate ist KLaus Zwickel im Amt. Dann will der 64-jährige Chef der Industriegewerkschaft Metall (IG Metall) planmäßig in den Ruhestand gehen. Eine Zukunftsdebatte in der mächtigsten Gewerkschaft Deutschlands anzustoßen, dass hatte er vor einigen Monaten noch zu seinem wichtigsten Ziel für den Endspurt erklärt. Wenn Klaus Zwickel geht, dann wollte er dies nicht tun, ohne seinen Nachfolgern Themen zu hinterlassen, mit denen sie sich auseinandersetzen und sie weiter entwickeln müssen.

Doch nun sieht es gar nicht mehr so aus, als ob sich der gelernte Werkzeugmacher ein so glorreiches Denkmal setzen könnte. Angeschlagen sei er und gedemütigt, berichten die, denen er vor drei Tagen eingestehen musste, dass er die Stimmung der Mitglieder in seiner Gewerkschaft "nicht richtig eingeschätzt hat". Zwickel wollte - im Konjunkturtal - eine maßvolle Tarifrunde ansetzen, schlug gar zwei Abschlüsse vor. Erst Zurückhaltung, um dem Wirtschaftswachstum nicht die Luft zu nehmen, dann Teilhabe am Erfolg der Unternehmen. Doch die Basis pfiff ihn zurück. Nicht nur in Baden-Württemberg, wo den Automobilarbeitern der Sinn nach einer kräftigen Lohnerhöhung steht. Der erfahrene Gewerkschaftsboss hat plötzlich das Gefühl für den Willen im eigenen Hause verloren? Weil sich Viele, die ihn lange kennen, eine solche Entwicklung nicht vorstellen können oder vorstellen mögen, treiben nun die Gerüchte wieder Blüten, dass dies ein bewusster Angriff auf seine Position sei, dass sich die Gewerkschaftsbosse in Warteposition nicht mehr gedulden wollen bis zum übernächsten Herbst.

Schon vor ein paar Wochen sah es so aus, als ob Zwickel den richtigen Ton und die passenden Entscheidungen nicht mehr kannte. Zweistellige Millionenbeträge waren dem Mannesmann-Manager Klaus Esser als Abfindung gewährt worden - und ausgerechnet der Metall-Gewerkschafter Zwickel hat im Aufsichtsrat nicht opponiert. Hat einfach die Augen verschlossen - und schon damals die "Stimmung nicht richtig eingeschätzt". Wie oft, werden sich seine Widersacher nun immer lauter zu Wort melden, kann sich Zwickel diesen Satz noch leisten? Insbesondere die Kronprinzen werden nun jeden Schritt des Chefs mit besonderem Interesse verfolgen: Berthold Huber, Bezirkschef in Baden-Württemberg und Jürgen Peters, Zwickels rechte Hand und Zweiter Vorsitzender der IG Metall.

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