Wirtschaft : Kleinanleger fordern bessere Information

Aktionärsschützer kritisieren Bevorzugung von Banken und Investmentfonds bei Börsengängen

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Frankfurt (Main) (scc/HB). Der Börsengang der Erfurter XFab Semiconductor Foundries erhitzt weiter die Gemüter. Kleinanleger beklagen, im Vorfeld der Emission nicht die gleichen Informationen bekommen zu haben wie institutionelle Anleger. Konkret geht es dabei um die begehrten Analystenstudien, die von den Konsortialbanken im Vorfeld der Emission erstellt und verteilt werden. In diesen Studien werden die Informationen aus dem Börsenprospekt von Fachleuten komprimiert, in Relation zu Branche und Umfeld gesetzt und abschließend gewertet.

Im Falle X-Fab wurden die Analystenstudien vom Konsortialführer ING Investment Banking kurz vor Beginn der so genannten „Black-out-Period“, die zwei Wochen vor dem Start der Zeichnungsfrist beginnt, an die institutionellen Anleger verteilt. Kleinanleger gingen leer aus. Xavier Moreels, bei ING für den X-Fab Börsengang zuständig, bestätigt dem Handelsblatt, dass so verfahren wurde. Er beruft sich darauf, dass X-Fab Aktien auch in den USA im Rahmen einer Privatplatzierung angeboten werden und entsprechende Gesetze beachtet werden müssen.

Der Unmut darüber bei Vertretern der Kleinaktionäre ist groß. „Die Gleichbehandlung aller Kunden, die die Going-Public-Grundsätze der Deutschen Börse zum Ziel haben, wird dadurch unterwandert“, sagt Christoph Öfele von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sieht man das ebenso: „Die Konsortialbanken sind natürlich besonders an den Großinvestoren interessiert“, sagt DSW-Sprecher Jürgen Kurz.

Der Knackpunkt für die Kleinanleger liegt im Detail. Gewöhnlich weiß kein Börsenkandidat bis wenige Wochen vor der Ankündigung exakt den genauen Tag der Emission. Ist dieser dann publik, ist es für den Kleinanleger zu spät, sich um Informationsmaterial zu kümmern. Die „Black-out-Period“ hat dann bereits begonnen. Institutionelle werden hingegen oft ungefragt vorher mit Studien bedient, lautet der Vorwurf der Aktionärsschützer. Die SdK hat deswegen reagiert und die so genannte IPO-Norm eingeführt (www.ipo-norm.de), die als Qualitätssiegel vor einem Börsengang gedacht ist.

Vier Forderungen müssen die Börsenkandidaten demnach erfüllen: Der Verkaufsprospekt muss rechtzeitig hinterlegt, die Haltefristen der Altaktionäre müssen offen gelegt und der Zuteilungsschlüssel muss nach Abschluss der Emission veröffentlicht werden. Wichtigstes Element ist neuerdings die Gleichbehandlung aller Anleger. Folglich erfüllen nur die Emittenten die IPO-Norm, die selbst oder über ihre Konsortialbanken auch Privatanlegern diese Analysten-Studien zugänglich machen. Börsenkandidat Siltronic, der nach X-Fab als zweites Unternehmen nach langer Pause den Gang an die Börsen wagen will, hat bereits vor Wochen bei der Vorstellung der Börsenpläne öffentlich bekundet, die IPO-Norm erfüllen zu wollen.

Von Seiten der Deutschen Börse sieht man keine Veranlassung, an den Going-Public-Grundsätzen zu rütteln. Sie beruft sich darauf, dass alle wesentlichen Informationen im Emissionsprospekt stehen, womit eine exklusive Informationsweitergabe an einzelne Investoren verhindert werden soll. Die Aktionärsschützer sehen deshalb als einzige Möglichkeit für den Kleinanleger, den Emissionsprospekt genauestens zu studieren und daraus die eigenen Schlüsse zu ziehen. „Der Aktionär hat letztlich die gleichen Chancen, er muss sich künftig nur wesentlich besser vorbereiten, ehe er Aktien einer Neuemission zeichnet“, sagt Jürgen Kurz.

Vor allem bei den deutschen Emissionsbanken scheint der Protest der Aktionärsschützer Gehör gefunden zu haben. Man denke darüber nach, Analystenstudien künftig vor Beginn der „Black-out-Period“ allen Anlegern und Medien zu Verfügung zu stellen, heißt es bei einer deutschen Großbank. Im Falle X-Fab gelangten die Analystenstudien über Fondsmanager an die Medien, wodurch Kleinanleger doch über deren Inhalt informiert wurden. „Dieses Vorgehen muss jedoch künftig anders werden“, sagt ein Investmentbanker.

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