Wirtschaft : Kleine Bäckereien im Überlebenskampf

Zahl der Handwerksbetriebe sinkt bundesweit / Filialunternehmen wachsen BONN (dpa).Für kleine Bäckereien ist der Überlebenskampf gegen große Filialbetriebe auch 1997 zunehmend schwerer geworden.Nach Angaben des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks blieben im zurückliegenden Jahr in rund 750 Backstuben die Öfen für immer kalt.Zumeist seien diese Betriebe von Filialisten geschluckt worden, sagte am Montag der Verbandspräsident, Hans Bolten, in Bonn bei der Vorlage des Jahresberichts des Zentralverbands.Danach konnten auch nur die Großbäcker von einem leichten Umsatzplus um 1,5 Prozent auf 26,5 Mrd.DM profitieren.Während die Erlöse der Filialunternehmen in der Branche zumeist spürbar stiegen, verbuchten Einzelbäckereien häufig Umsatzeinbußen "in zweistelligen Prozentsätzen", erläuterte Bolten.Insgesamt sank die Zahl der backenden Betriebe bundesweit um 3,3 Prozent auf rund 22 250.Davon betreiben inzwischen etwa 8000 eine oder mehrere Filialen.Bolten geht davon aus, daß sich dieser Konzentrationsprozeß weiter fortsetzen wird.Die handwerklichen Bäckereibetriebe decken laut Verband 65 bis 70 Prozent des Gesamtmarktes an Brot und Backwaren ab.Den Rest beliefert die Brotindustrie. Durchweg positiv habe sich die Ausweitung der gesetzlichen Ladenöffnungszeiten in den frühen Morgenstunden und an Sonntagen ausgewirkt.Insbesondere durch den Sonntagsverkauf hätten Betriebe ihre Umsätze um 25 bis 30 Prozent steigern können.Dies sei vor allem zu Lasten der Tankstellen-Shops gegangen. Verbandsgeschäftsführer Eberhard Groebel betonte, daß die Bäcker bei der Verbraucherinformation über sogenannte Zusatzstoffe in Broten und Brötchen unverändert auf eine Lösung auf freiwilliger Basis setzten und gesetzliche Vorgaben ablehnten.Inzwischen halte nach einer Verbandsumfrage jeder zweite Betrieb Broschüren vor, die Kunden Auskunft über die in jedem angebotenen Produkt verwendeten Zusatzmittel gebe.Derzeit existierten 26 lebensmittelrechtlich zugelassene Zusatzstoffe, die dazu dienten, den Geschmack und die Verarbeitungsfähigkeit des Teiges zu verbessern. Nach Angaben des Verbands bildete das Bäckerhandwerk im vergangenen Jahr 7796 Lehrlinge aus, 6,9 Prozent mehr als 1996.Die Zahl der Auszubildenden im Lehrberuf "Verkäufer" stieg um 16 Prozent auf rund 6000.Damit habe die Branche ihre Ausbildungsbereitschaft unter Beweis gestellt.Die Einführung einer von der SPD geforderten Ausbildungsabgabe lehnte der Verband nachdrücklich ab.

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