Wirtschaft : Kleine Geschenke erhalten die Kundschaft

Die Schnäppchenjagd wird immer härter: Viele Verbraucher wollen für Produkte am liebsten gar nichts zahlen – und tatsächlich bieten Firmen einiges gratis

S. Kaiser,D. Rosenfeld

Besser als billig ist nur noch gratis. Und vom Shampoo über Zigarillos bis hin zur Hotelübernachtung gibt es einiges, was Firmen zu verschenken haben. Solche Angebote finden Sie vor allem im Internet. Die Webseite „www. kostenlos.de“ etwa hat unter der Kategorie „Produktproben“ aufgelistet, wo es derzeit etwas zu holen gibt – natürlich für umsonst. Die Internetseite wird beinahe stündlich aktualisiert, weil es die Gratisproben oft nur in begrenzter Zahl gibt.

Proben. Momentan zählen zu den aktuellen Angeboten Anti-Faltencremes, Kühlmasken gegen Migräne oder Antischuppen-Shampoos. Ein Link unter dem jeweiligen Produkt führt direkt auf die Internetseite des Herstellers, auf der die Gratisproben bestellt werden können. Dazu müssen allerdings Name und Adresse angegeben werden, oft auch die Telefonnummer. „Firmen, die etwas verschenken, erwarten auch etwas dafür“, erklärt Mirko Müller, Mitbegründer von „kostenlos.de“, das Prinzip des Gebens und Nehmens. Und je mehr Daten man bereit ist herzugeben, desto größere Geschenke gibt es dafür. Um an Kundenadressen zu kommen, tun Unternehmen so einiges. Da ist auch schon mal eine Digitalkamera als Dankeschön drin, wenn man an einer Online-Umfrage teilnimmt.

Sechs Millionen Zugriffe im Monat verzeichnen Macher von kostenlos.de – offenbar sind die Deutschen nicht zimperlich mit der Freigabe ihrer persönlichen Daten, wenn es dafür etwas umsonst gibt. Verbraucherschützer aber warnen vor den Nachwirkungen. „Die Gefahr ist groß, im internationalen Adressenhandel zu landen“, heißt es bei den Verbraucherzentralen. Und dann quelle der Briefkasten mit Werbezuschriften über.

Größte Vorsicht ist bei Anbietern aus dem „organisierten Probengeschäft“ geboten. Bei Probenking, Probendino oder Probenfieber.de wird man für eine Gebühr zwischen zwei und neun Euro in die Versandlisten von Unternehmen eingetragen, die Produktproben verschicken. Mindestens 25 Gratisproben soll man dafür pro Monat erhalten. „Hier liegen uns massig Beschwerden von Kunden vor“, sagt Gabriele Francke von der Verbraucherzentrale Berlin. Denn die Proben würden oft gar nicht geliefert. In den Geschäftsbedingungen der Anbieter ist dann auch zu lesen, dass sie keine Garantie für den tatsächlichen Versand der Proben übernehmen. Die Webseite „Probenfuchs“ hat nun sogar ihren Betrieb eingestellt, weil die zugesagten Proben nicht geliefert werden konnten.

Möbel&mehr:

Garantiert kostenlos sind die Angebote von „alles-und- umsonst“. Dort werden Dinge, die von ihren Besitzern nicht mehr gebraucht werden, verschenkt – etwa ein Esstisch samt Stühlen, Kühlschränke und Scanner. Einzige Bedingung: Die Sachen müssen beim Schenker abgeholt werden. Sogar ein Segelboot hat so schon seinen Besitzer gewechselt.

Wohnungstausch. Auch wer eine Bleibe an Land sucht, kann Unterkunftskosten sparen – wenn er nichts gegen fremde Leute in seinem eigenen Zuhause hat. Bei Wohnungstauschbörsen wie Homelink, Swapeo oder Homeexchange kann man sich aus Datenbanken mit Tausenden von Wohnungen sein Feriendomizil aussuchen – sofern man selbst eine Wohnung oder ein Haus in einer attraktiven Gegend zu bieten hat und diese dem Tauschpartner zur Verfügung stellt. Um Mitglied in einem solchen Tauschclub zu werden, ist allerdings ein Beitrag fällig. Die Jahresgebühr beim US-Anbieter Homeexchange beträgt rund 38 Euro, bei Swapeo sind die Anzeigen kostenlos – erst bei erfolgreicher Vermittlung muss die Gebühr von 80 Euro gezahlt werden.

Hotels. Aber nicht nur in hübschen Villen, sondern auch in schmucken Hotels sind Übernachtungen gratis zu bekommen. Darauf hat sich der Reiseveranstalter gratistours.de spezialisiert. Die Zimmer in Drei-Sterne-Hotels in Ägypten oder Italien kosten nichts. Der Gast muss sich aber verpflichten, Halbpension zu buchen. Der Preis für die Verpflegung ist nicht allzu hoch, in ägyptischen Hotels gibt es Halbpension schon für fünf Euro pro Tag. Natürlich will auch Gratistours Geld verdienen, auch wenn der Name nicht so klingt. Deswegen erhebt die Firma eine Servicegebühr: Bei Kurzreisen bis zu vier Tagen 24,50 Euro pro Person, ansonsten 49 Euro.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben