Wirtschaft : Kleine Menge, große Chance

DÜSSELDORF (abo/HB).Die Fusion der Schweizer Spezialchemiekonzerne Clariant und Ciba bringt neuen Schwung in die Konzentrationswelle im dritten Segment der Chemie.Neben ICI und dem bisherigen Branchengrößten Hüls-Degussa entsteht ein weiterer unabhängiger Spezialchemie-Gigant, wodurch kleinere Anbieter im Wettlauf um Kunden und Kapital unter Druck geraten.

Das Geschäft mit den Spezialitäten ist in der Chemie lange Zeit etwa so angesehen gewesen wie der Tante-Emma-Laden im Handel.Es galt als kleinräumig und immun gegen Economies of Scale.Doch erfreut sich die Branche bei den Anlegern schon lange hoher Wertschätzung.Viele Hersteller von Spezialitäten erwirtschaften weit attraktivere Kapitalrenditen als Petro- oder Grundchemiekonzerne oder Life-Science-Dauerbaustellen wie Hoechst.

Der Markt der kleinen Mengen bietet gut gemanagten Unternehmen große Möglichkeiten.In einem Volumen von derzeit rund 80 Mrd.Dollar weltweit werden hier nur Substanzen hergestellt, die von industriellen Kunden an ganz speziellen Stellen ihrer Wertschöpfungskette eingesetzt werden.Diese Kunden gehören meist wiederum zur Chemischen Industrie, was über Jahrzehnte enge Kundenbindungen und überdurchschnittliche Margen garantiert hat.Je größer die unter Spezialitäten subsummierten Märkte sind, desto schwerer lassen sie sich abgrenzen und im Volumen fassen.

Als unangefochtene Großanbieter von Chemiespezialitäten traten bis vor kurzem integrierte Chemiekonzerne auf: Bayer, Dow Chemicals, Akzo Nobel und früher Rhône-Poulenc lieferten weltweit.Dazu gab es Spezialisten, meist in den USA.Doch auch die Konzerne bedienten nicht alle Spezialchemie-Teilmärkte.Für die Verbundunternehmen deutscher Prägung waren die Spezialchemikalien lange Zeit eher geschickt vermarktete Prozeßabfälle, bis etwa Bayer sie zu einem Geschäftsschwerpunkt entwickelt hat.

Mit Clariant einschließlich Ciba, Hüls inklusive Degussa sowie ICI samt der Unilever-Spezialchemie werden völlig neue Maßstäbe gesetzt.Es entstehen große unabhängige Spezialchemiegruppen, die in vielen unterschiedlichen Feldern tätig sind, und die trotz im Einzelfall kleinvolumiger Produktion für ihr ganzes Produktspektrum ein weltweites Vertriebsnetz sowie kostspielige Forschungslabors unterhalten müssen.Die neuen Branchenriesen stellen sich damit dem Trend zu geringerer Lieferantentreue in der Chemie.Damit muß die Branche sich verstärkt um Kosten und Wachstumsstrategien Gedanken machen.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben